Doktor Joringel und die Muschis

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Doktor Joringel und die Muschis

Doktor Joringel und die Muschis

Anita Isiris

Serafina zögerte noch einen kurzen Moment. Dann lüftete auch sie ihr Geheimnis und entblösste ihre gänzlich rasierte Scham. Herr Doktor Joringel war auf diese Idee gekommen. Eigentlich war er gar kein Doktor, und Joringel hiess er auch nicht. Er war Philosophiestudent im 40. Semester und hatte mehrere Wochen damit zugebracht, sich akribisch durch alle verfügbaren Zeitungen, Blog- und Twitter-Einträge zu arbeiten. Einträge, die sich mit dem Weltuntergang befassten. Da war nur ganz am Rand vom Maya-Kalender zu lesen. Für den interessierte sich ohnehin kaum jemand. Was die Leser spitz machte, waren die Vorbereitungs-Szenarien. Übernachten auf schrundigen Felshöhen. Dem Weltuntergang auf einem Kreuzfahrtsluxusdampfer davondampfen. Feiern auf Rarotonga, den kräftigen Kugelhintern der Ureinwohnerinnen stets im Blick.

Doktor Joringel war Agnostiker. Ein Gott würde ihn selbst dann nicht interessieren, so es ihn gäbe. Mit Göttinnen war das natürlich ganz was anderes. Und davon hatte er nun mehrere vor sich, untenrum entblösst, der Dinge harrend, die da kommen sollten. Der Anblick war faszinierend. Es gab da nicht einfach „die Spalte“, oh nein! Die individuelle Vielfalt weiblicher Geschlechtsorgane ist bekanntlich mehr als nur faszinierend. Da ein leuchtend roter Busch. Dort zartrosa kleine Innere. Innenschenkel in sattem Braunton. Sorgfältig epilierte Zauberritzen.

Das Elysium.

Vielleicht hätte bereits eingangs erwähnt werden sollen, dass Doktor Joringel vermögend war – sehr vermögend sogar. Er war so vermögend, dass er diese grosse, wärmende Kunstsonne hatte errichten können, auf Ithaka, direkt am Strand. Wenn Odysseus davon gewusst hätte, mannomann! Oder seine geliebte Penelope, frauofrau!

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Er hatte sie alle herbestellt. Er hatte ihnen, Monate vor dem 21. Dezember 2019, klar gemacht, dass es da nur EINEN gab. IHN. Doktor Joringel. Er würde sie erretten vor dem Tor der Hölle. Allesamt. Auf Facebook hatte er dermassen viele Followers gehabt, dass ihm eine Zeitlang angst und bange wurde. Aber der Performer Spencer Tunick verkraftete nackte Menschansammlungen ja auch problemlos – und bei bester Gesundheit.

Doktor Joringel wollte eine Rede halten; eine Rede an all diese verzückenden, niedlichen, gestreicheltwerdenwollenden Zaubermösen, die sich ihm darboten. Diese Frauen hatten kein Problem damit, dass er ihrer aller intimste Stelle sehen konnte. Er war ja allein, und er war der Prophet.

„Liebe Muschis“, hob er an.

„Seid Euch bewusst, dass nun, innert weniger Stunden, das Licht des Planeten erlöscht.

Seid Euch im Klaren, dass da nichts mehr wärmt, lebt, liebt.

Gehet in Euch, denkt nach, so ihr denn das könnt.

Erinnert Euch, so ihr denn das könnt.“

Doktor Joringel hielt inne und starrte auf Serafinas göttliche Spalte.

„Erretten werde ich Euch, wahrlich, erretten vor des Satans Feuer.

Noch vor dem Abflug aller Erzengel und Engel: Nehmet denn Wärme, Liebe in Euch auf.“

Er trat zu Serafina und streichelte mit dem Fingerrücken ihren Venushügel. Die meisten Frauen hatten die Augen geschlossen, lagen mit weit gespreizten Beinen da, auf bunten Liegestühlen, liessen sich von einer gigantischen künstlichen Sonne wärmen und lauschten den Worten des Erlösers. Ein Teil von ihnen hatte hübsche Strickjäckchen um sich gezogen, aber untenrum waren sie alle frei, oh, so frei.

„Ein kollektiver Orgasmus wird Euch erretten, oh Seelen dieser Welt.“

Er liess seinen Blick über Dutzende fickbereiter Muschis schweifen.

„… denn die Vulva ist das, wonach wir alle streben. –

Schliesst nun die Augen. Stellt ihn Euch vor. Odysseus. Von Skylla und Charybdis auf die Prüfung gestellt. Beinahe von Nausikaa verführt. Selbst der schwule Polyphem hätte ihn umschlungen, hätte sich Odysseus nicht auf eine List besonnen und das einzige Auge des Riesen gepfählt.

„Er steht vor Euch. Nackt. Gross. Sein Gemächt verlangt nach Euch, oh, so sehr!“

Die Wintersonne verschwand hinter einer Wolke, aber die Frauen merkten es nicht. Ihre Augen waren ja geschlossen, und die Wärmesonne gab ihr Bestes.

Doktor Joringel beobachtete, wie Bewegung in einzelne Becken, wie Lust in die Hüften seiner weiblichen Hörerinnen kam. Die Frauen bewegten sich in leichten, kaum sichtbaren Konvulsionen, und verlangende Glitzertropfen zierten das eine oder andere Schamlippenpaar.

Sie lauschten Doktor Joringels Stimme, die Frauen, und sie stellten sich den grossen, verlangenden, fickbereiten Odysseus vor. Sie öffneten sich, soweit sie konnten… und gewährten ihrem Propheten tiefe Einblicke, Einblicke, die er nur an diesem einen Tag, dem 21. Dezember 2012, würde erheischen können.

All die luftigen Liebeslöcher führten Doktor Joringel derart viel Energie zu, dass ihm ganz leicht wurde, ganz leicht… er hob ab und wurde mit einem Windstoss dem Meer zugetragen. Die Frauen hatten die Augen noch immer geschlossen und verlangten nach Doktor Joringels Stimme. Doch diese erklang nicht mehr. Poseidon, der Meergott, hatte ihn zu sich geholt.

Besucht doch mal Ithaka, liebe Touristen, vielleicht liegen die Frauen noch immer dort, unter der künstlichen Sonne, mit gespreizten Beinen, und harren Euer.

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