Doris trug ihre neuen Stiefel und einen teuren dunklen Wollrock, den ihre Schwester – ihres Zeichens Designerin – ihr geschenkt hatte. „Donnerwetter, Du bist ja noch schöner als früher!" entfuhr es Christian. Schalkhaft blinzelte er ihr zu. Er kannte jede Menge Leute hier – im Gegensatz zu Doris.
Für ihre Kollegen war das Konzert zu teuer; die Stones verlangten Spitzenpreise. Einen ewigen Augenblick lang berührte ihre Hand Christians Hose – an der Seite. Doris war nervös. Von weitem waren die Lovebugs zu hören, eine mutige Schweizer Formation, die die Vorgruppe gab.
Mit einem Mal konnte Doris nicht mehr klar denken. Masturbationsträume gingen ihr durch den Kopf, all die Gedanken, zu denen sie sich wegen Christian gestreichelt hatte, früher. Beim Duschen hatte sie sich ihn vorgestellt, wie er sich genüsslich einseifte. Sein Schwanz war unter dem Schaum nur zu erahnen, aber das hatte Doris gereicht. Immer inniger hatte sie sich gestreichelt, Nacht für Nacht. Christians knackiger Fussballerhintern, Christian, der in der Band spielte, Christian, der ihr einmal die Füsse massiert hatte, nur so zum Spass.
Viele dieser kleinen, heimlichen Orgasmen vor dem Einschlafen hatte sie ihm - respektive der Projektion auf ihn - zu verdanken. Schweigend gingen sie nebeneinander her, besser gesagt: sie wurden gegangen, von der Menge hinter ihnen. Am Essstand ergatterte Christian einen Reisteller für sie und offerierte ihr ein Bier. „Der Joint kommt später", lachte er. „Habe selber einen dabei", konterte Doris und wies auf ihre Brusttasche.
Dann machten sich die beiden auf den Weg ins Stadion, vorbei an gleichgültig dreinblickenden Jungs vom Sicherheitsdienst. Langsam füllte sich der riesige Raum; ein paar Abendwolken gaben ein malerisches Bild ab. Regnen würde es wohl kaum. Christian drängte nach vorn; Doris war aber in dieser Beziehung geschickter als er. Sie ortete Lücken blitzschnell, kurvte um die Leute herum und zog Christian hinter sich her.
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