Doris und die Stones

7 6-10 Minuten 0 Kommentare
Doris und die Stones

Doris und die Stones

Anita Isiris

„Ich will zur Mittelbühne", schwärmte er, „da kommen die Stones etwa in der Halbzeit hin, ganz bestimmt!" Er wurde zum kleinen Jungen; Doris machte ihm die Freude und ortete die umzäunte kleine Bühne, auf der ein minimal bestücktes Schlagzeug stand – nebst ein paar Mikrofonen. Sicherheitsbeamte wuselten hin und her. Dieser runde Christianhintern… „mein Gott…" dachte Doris, und nur das: „Mein Gott!"

Mit Wonne erinnerte sie sich an die Fussmassage. „Die Lovebugs haben ja doch schon einige Hits…" kommentierte Christian nebenbei. Der Zeiger rückte gegen acht Uhr. Die Umbaupause dauerte an; Doris schilderte ihr Leben, die grosse Lücke zwischen dem Schulabgang und dem bevorstehenden Konzert. Fünf Jahre waren vergangen; Doris arbeitete als Krankenschwester in einem Pflegeheim, was ihr wegen der selbstgefälligen Senioren nicht immer leicht fiel.

Christian war noch immer an der Uni – eher ziellos, wie ihr schien. Die Leute hinter ihnen drängelten; da waren mindestens drei Generationen zugange; sogar eine ältere Dame im Rollstuhl war neben der Mittelbühne auszumachen. „Das ist bestimmt so ein Trick, damit sie einen guten Platz kriegt", nuschelte Christian. Doris lachte und stellte sich vor, wie sich die Alte nach dem Gig aus dem Rollstuhl erhob und sich von dannen machte.

Doris und Christian standen jetzt dicht gedrängt. Sie fühlte die Konturen seines Hinterns an ihrem Bauch, presste ihre Brustspitzen an seinen Rücken. Ein Wonnegefühl stieg in ihr hoch. Sie konnte Christian ganz nah sein ohne aufzufallen – ob er sie überhaupt wahrnahm? Er freute sich auf Keith Richards, möglicherweise war sie ihm sogar völlig egal. Doris schauderte. Was wollte sie eigentlich? Ihn rumkriegen? Von Männern hatte sie im Grunde die Schnauze voll – wieso also ausgerechnet Christian, diesen Aufschneider von früher mit seiner geklauten Harley und den zerfetzten Jeans?

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 6061

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben