Drachenopfer

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Drachenopfer

Drachenopfer

Irena Böttcher

Der Ritter nickte.
„Ich will dir enthüllen, was der Sinn dieser Regel ist,“ sprach der Herrscher. „Die alten Lehren, die inzwischen kaum jemand mehr kennt, besagen, daß ein Drache nur von einem Mann besiegt werden kann, der einen ganzen Monat lang keusch geblieben ist und in der letzten Nacht dieses Monats allen Versuchungen widerstanden hat, die man ihm auferlegte. Es wurde lange für unmöglich gehalten, daß überhaupt je ein Mann diese Anforderung erfüllen kann. Doch du hast es geschafft. Deshalb wirst du den Drachen besiegen, und dein Ruhm wird von Mund zu Mund weitergegeben und noch nach vielen, vielen Jahrzehnten überall im Land verkündet werden.“
Dann faßten der Mann und die Frau sich an der Hand, begaben sich den Hügel hinab und ließen den Ritter allein.
„Ja, aber was soll ich denn jetzt tun, wenn der Drache kommt? Ich bin hilflos – und habe nicht einmal ein Schwert!“ rief dieser ihnen verzweifelt hinterher, doch sie antworteten nicht.
Ein zuerst nur sehr leises Fauchen kam aus der Höhle, und der Schwefelgeruch wurde noch stärker. Die Erde bebte.
Zwei glühende Augen zeigten sich im düsteren Höhleneingang.
Der Ritter zerrte in Todesfurcht an seinen Fesseln. Sie gaben nicht nach.
Und schon brach der gelbe Drache aus dem Höhleneingang heraus und fiel über den Ritter her. Ein markerschütternder Schrei ertönte, dann senkte das Maul des Drachens sich herab auf das kleine Menschlein am Kreuz.
Was der Drache nicht wußte, und was das Herrscherpaar auch dem Ritter wohlweislich verschwiegen hatte war, daß der über einen Monat aufgestaute Samen eines Mannes in seinen Lenden einen für den Körper des Menschen absolut ungefährlichen Stoff bildet, der für jeden Drachen jedoch den Tod bedeutet ...

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