Die Laternen warfen ein gedämpftes Licht auf die Granitstufen, die uns entgegenluden.
„Schon seltsam, oder?“ murmelte Lukas neben mir, während er die Tür öffnete.
Ich nickte, spürte das leise Kribbeln in meinem Magen. Eine Mischung aus Neugier, Erregung und professioneller Distanz, die sich langsam auflöste. Die Rezeption empfing uns mit einem diskreten Lächeln, der Raum duftete nach Lavendel und altem Holz. Kein Hauch von Kitsch, sondern eine stille Würde, als ob die Zeit im Orient anders tickte. Und als ob die letzten 120 Jahre nicht geschehen wären.
„Nur für drei Stunden?“ fragte ich, als wir die Schlüssel in der Hand hielten.
„Genau“, antwortete der Rezeptionist mit einem Nicken. „Länger ist selten, aber möglich.“
Wir gingen den Flur entlang, die Teppiche schluckten unsere Schritte. Die Wände waren mit vergilbten Fotografien gesäumt – Schwarzweißbilder von Paaren, Tänzern, Szenen aus längst vergangenen Jahrzehnten. Alle blickten wir in diese vergessene Zeit hinein, als das Hotel noch ein geheimer Zufluchtsort für Geschichten war, die man nur hinter vorgehaltener Hand erzählte. Ein Paralleluniversum, das aber doch ehrlicher als die wahre Welt war.
Das Zimmer war klassisch, fast wie Filmsets aus Historienfilmen: schwere Vorhänge, Samtpolster, ein großer Spiegel, der das gedämpfte Licht reflektierte und das Ticken einer alten Standuhr neben dem Bett.
Lukas sah sich um und grinste. „Ich wette, dieser Spiegel bedauert, nicht reden zu können. Der hat sicher schon viel gesehen.“
Ich lächelte zurück. «Oder er hat so viel gesehen, dass es ihm schon die Sprache verschlagen hat.»
Irgendwie fühlte ich mich wie eine Schauspielerin in einem Stück, dessen Handlung wir noch nicht kannten. Drei Stunden, ein Zimmer, zwei, ja, was waren wir? Friends with Benefits?
Drei Stunden im Orient
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