Oder doch nur zufällig Bekannte, die sich heiß genug fanden, um ab und zu Sex zu haben, aber mehr nicht?
Ich fand es reizvoll – und fragte mich ganz professionell, worin dieser Reiz lag. Es war nicht nur der Ort mit seiner besonderen Atmosphäre. Er lag vielmehr in der Zeit, die uns hier zur Verfügung stand, begrenzt und doch grenzenlos in ihren Möglichkeiten.
Ich zog den Mantel aus, spürte die Schwere der Erkenntnis: Wir waren nun hier und obwohl wir theoretisch frei waren, konnten wir nicht hinaus. Für drei Stunden waren wir nun Teil dieses Zimmers – denn früher zu gehen, das wäre absurd. Eine Geldverschwendung. Wir mussten also drei Stunden gemeinsam in einem Zimmer eines Stundenhotels verweilen. Mit dem Gefühl, diese auch besonders intensiv nutzen zu müssen, um etwas «für das Geld zu bekommen».
Das leichte Knistern in der Luft wurde spürbar, als wir uns im Raum bewegten. Zunächst blieben wir ein wenig auf Abstand, nahmen die Rolle der Journalistin und des Assistenten ein. Machten Fotos von den Details – das gezeichnete Rosenholz, die feinen Gravuren im Messing, der alten Spiegel, der das gedämpfte Licht mehrfach reflektierte. Wir taten so, als wären wir noch in der Recherchephase, doch die Blicke, mit denen wir uns begegneten, sprachen eine andere Sprache.
Plötzlich brach ein gemeinsames Lachen heraus, ausgelöst durch eine kleine Ungeschicklichkeit von Lukas, der beinahe das Vasenarrangement umgestoßen hätte. Seine Hand berührte dabei fast zufällig meinen Arm, und ich spürte, wie eine elektrische Spannung durch meinen Körper fuhr. Die Berührung blieb lange, tastend, höflich – doch jeder Moment brachte uns einander näher. Und zur Erkenntnis, dass wir doch nicht für die Recherche hier waren, sondern für etwas anderes.
Drei Stunden im Orient
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