Im Grunde war es wie mit den Smartphones: Als nur wenige über eine Kamera verfügten, konnten Männer mit voyeuristischen Absichten noch problemlos dingfest gemacht werden. Seit aber jedes der Geräte fotografieren und filmen kann, entzieht sich der tägliche Voyeurismus der Kontrolle. Es kann ja nicht jeder, der tut, als würde er telefonieren, als Voyeur geoutet werden…
Diego Hufnagels Ziel waren Nahaufnahmen von Martina auf ihrem Balkon. Perspektivische Kunstwerke ihres Prachtbusens, ihre Schenkel im genau richtigen Winkel… Diego Hufnagel verdrängte #MeToo und wollte einfach seinen Spass. Schliesslich hatte er ein Leben lang hart gearbeitet, regelmässig Steuern bezahlt und noch nie einer Fliege etwas zuleide getan. Jetzt war die Zeit für ein Privatvergnügen gekommen. Er griff sich die teuerste und gleichzeitig kleinste Drohne mit der höchsten Kameraauflösung aus dem obersten Regal. Es handelte sich ein Gerät aus Metall, das rötlich schimmerte – und mit Sicherheit den gewünschten Dienst leisten würde. Mit leicht erhöhtem Puls bezahlte Diego Hufnagel. Noch gleichentags sollte das Vergnügen losgehen. Eine von Martinas Balkonzeiten war 17:30 Uhr, wenn sie von der Arbeit nach Hause kam. Eine andere 06:00 Uhr in der Früh, wenn sie im Bademantel, mit nassem Haar, draussen stand und eine rauchte. Oder dann, klar, der Sonntagmorgen.
Um 15:00 Uhr war Diego Hufnagel wieder zuhause, zischte sich ein Bier und machte sich an die Arbeit. Er musste eine spezielle App herunterladen – gleichzeitig diente sein Smartphone dann als Fernsteuerung für seine technische Errungenschaft. Bilder und Videos wurden direkt auf das Handy übertragen. Das Laden des Akkus dauerte eine Ewigkeit – Diego Hufnagel hoffte, dass dadurch die Drohne auch länger in der Luft gehalten wurde. Der Zeiger rückte gegen 17:20 Uhr… und da war sie! Martina! In einem schwarzen Bikini dieses Mal – und tatsächlich.
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