Die Drohne

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Die Drohne

Die Drohne

Anita Isiris

Nicht einmal das Spiegelei, die Bockwurst und das Bier, das er sich zum Abendessen zubereitete, mundete ihm so richtig. Er fühlte sich wie ein Elefant ohne Rüssel. Wie eine Giraffe ohne Hals. Wie ein Fisch ohne Flossen. «Ausser Spesen nichts gewesen…», knurrte er im Selbstgespräch. Dann setzte er sich mit dem Tablet auf die Couch und surfte, wie er es gewohnheitsmässig jeden Abend tat. Youporn. Pornhub. Youtube. Und zurück. Dann war dadieser Link auf www.czechcasting.com. Diego Hufnagel hatte ein Monatsabo gelöst.

Diego Hufnagel war von dieser Homepage gefangen wie eine Fliege im Spinnennetz. Da wurden doch tatsächlich Frauen von der Strasse geholt. Sie wurden von einer weichen, sympathisch klingenden Frauenstimme interviewt – zu ihrem Leben, ihren Vorlieben, ihren Träumen. Gegen Ende der Interviews wurden die Fragen expliziter. «Wie viele Männer hast Du schon gehabt?», «benutzt Du Liebesspielzeug», undsoweiterundsofort. Die Frauen, die im Verlauf des Interviews Vertrauen gewonnen und sich entspannt hatten, antworteten wahrheitsgetreu. «Wir fotografieren Dich jetzt – und anschliessend folgt eine kleine Filmsequenz», erklärte die Frau milde. Nach einem kurzen Fotoshooting wurde eine erneute Aufnahme der Tschechinnen gezeigt – von Kopf bis Fuss. «Zeig mir noch einmal Deinen grossen Hintern», wurden sie von einer Männerstimme aufgefordert. «Zieh Dich bitte ganz aus». Einige von den Frauen ölten sich selber anschliessend ein, auf einer weissen Couch, und rieben sich zum Orgasmus, die einen unter Zuhilfenahme eines Dildos, andere von Hand.

Dann erstarrte Diego Hufnagel. Das neueste Modell unter www.czechasting.com war… Martina. Die schwarzhaarige, vollbusige Martina. Seine Nachbarin. Eine hübsche Tschechin. Freimütig gab sie über ihr Leben in Deutschland Auskunft, aber auch über ihre Sehnsüchte. Sie hätte gerne ein Haus in Prag gehabt. Mann. Kinder. Einen Labrador. Aber ihre berufliche Situation liess es nicht zu, dass sie Deutschland verliess.

Dann zeigte sie sich mit und ohne Unterwäsche vor der Kamera. Wurde aufgefordert, sich auf die weisse Couch zu legen. «Unzip me», forderte ein Mann, der sein Gesicht nicht zeigte. Martina blies seinen steifen Schwanz, sie tat es erst zögerlich, dann mit erkennbarer Leidenschaft. «Show me your tongue», wurde sie gebeten und bezüngelte die Eichel des Mannes. Dann schob er sein Zentralorgan zwischen Martinas Titten, rieb sich an ihr bis kurz vor dem Abspritzen. «I will fuck you now», sagte er erregt und nahm sich die rasierte Muschi von Diego Hufnagels Nachbarin vor. Die gefilmten Details hätte keine Drohne dieser Welt derart erregend abbilden können. Die beiden Männer, der Casting-Mann und Diego Hufnagel, kamen synchron.

Jetzt wusste Diego Hufnagel, weshalb seine Drohne Martina nicht erzürnt hatte. Sie hatte den Männern dieser Welt schon viel mehr von sich gezeigt als ihren nackten Busen und ein schwarzes Bikinihöschen. Und von Abend zu Abend würde sie von noch mehr Männern betrachtet werden. Diego Hufnagel war jetzt einer von ihnen.

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