In der Spiegelwand sah ich eine Reihe Frauen in Shorts und Sport-BHs. Verschiedene Körper, verschiedene Grade an Selbstvertrauen. Ich fühlte mich plötzlich zu aufrecht, zu angezogen, zu beobachtet. Meine blonden Haare hatte ich fest nach hinten gebunden, als wollte ich mich unsichtbar machen.
Zu Beginn wollte ich mich auf die Beobachtung konzentrieren, so wie immer. Ich würde das Ganze journalistisch sehen: Gesten, Stimmen, Floskeln. Doch nach fünf Minuten wusste ich, dass diese Distanz hier nicht funktionieren würde. Nicht barfuß, in Shorts und mit der Anweisung „Brust raus, Blick!“.
Ich setzte ein Lächeln auf, das sich fremd anfühlte. Der Boden vibrierte leicht, die Musik pulsierte in der Brust. Wir begannen mit den Floor Moves. Die Trainerin bewegte sich, als gehörte ihr der Raum. Ihre Haut glänzte, ihre Atmung führte den Takt. Ich versuchte nachzumachen, fiel aus dem Rhythmus, lachte kurz – und merkte, dass das Lachen zu laut war.
Meine Bewegung war kantig, nicht fließend. Aber irgendwann, während ich über den Boden glitt, die Hände gestützt, das Gewicht kurz verlagert, spürte ich die Muskelspannung in meinen Oberschenkeln. Da war er, dieser Körper, der sonst nur funktionierte, schrieb, lief, saß. Jetzt bewegte er sich mit Absicht, und das Gefühl hatte etwas Peinlich-Schönes.
Als wir an die Stange gingen, war mein erster Griff zögerlich. Das Metall fühlte sich kühl an, glatt wie ein Eiszapfen. Die Finger rutschten, die Haut klebte. Ich presste mich näher, spürte das leichte Brennen der Reibung an der Innenseite der Oberschenkel. Meine Haut war blass, doch dort, wo sie die Stange berührte, färbte sie sich rot. Ich konzentrierte mich auf das Halten, auf die Spannung im unteren Rücken, das Zittern der Arme.
Im Spiegel sah ich mich selbst: nicht elegant, nicht graziös, aber echt.
Echt bewegt
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