Mein Gesicht gerötet, die Lippen leicht geöffnet, der Atem spürbar. Zwischen Anstrengung und Unsicherheit blitzte für einen Moment etwas Anderes auf – ein Ausdruck, den ich nicht kannte. Vielleicht war es dieses Sich-sehen, das der Kurs eigentlich meinte.
Später, als ich aufgab, ließ ich mich einfach an der Stange hinuntergleiten und musste lachen. Es war ein offenes, ehrliches Lachen – ein Moment der Selbstironie, der mich befreite. Ganz kurz war es schön.
Am Abend saß ich auf meinem Sofa, müde, mit blauen Flecken, und versuchte mir einzureden, dass auch Muskelkater journalistisch wertvoll sei. Ich überflog meine Notizen, schrieb bis spät, ließ mich gut aussehen – ironisch, charmant, anscheinend selbstbewusst. Als mein Artikel erschien, schrieb mir eine Kollegin, ich hätte „den Nerv der neuen Weiblichkeit“ getroffen. Vielleicht hatte ich das. Vielleicht war das genau der Punkt: dass es schön sein kann, sich einzugestehen, dass man gefallen will – sogar sich selbst.
Zwei Tage später schrieb mir M.
„Hab deinen Artikel gelesen. Beeindruckend. Sehr flexibel, die Dame.“
So stand es da, und er durfte das so schreiben. Wir kannten uns gut – vielleicht zu gut. Gut genug jedenfalls, um zu ahnen, was nun folgen würde.
M. war mein Freund mit gewissen Vorzügen, jener Typ, mit dem alles mühelos funktionierte, solange man nicht versuchte, es zu definieren. Zwischen uns war keine Liebe, aber viel Vertrauen. Und noch mehr Neugier.
Ich antwortete flapsig: „Dank der Tatsache, dass ich stets rhythmisch durchs Leben stolpere, konnte mich auch dieser Kurs nicht aus dem Gleichgewicht bringen.“ – woraufhin er schrieb: „Das will ich sehen.“
Ein paar Stunden später stand ich bei ihm. Jeansrock, altes Shirt, barfuß. Keine Aufregung, nur diese halb gespielte Lässigkeit, die man aufsetzt, wenn man sich wappnet, gespiegelt zu werden.
Echt bewegt
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