Echt bewegt

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Echt bewegt

Echt bewegt

Leni Trattner

„Zeig mal, wie du das da im Kurs gemacht hast“, sagte er und grinste.
In Ermangelung einer Stange entschied ich mich für Improvisation der Dinge, die ich als Floor Work gelernt hatte. Ich ließ mich auf den Boden sinken, zog mit den Händen eine gedachte Linie über das Parkett und begann, mich zu bewegen. Erst ironisch mit übertriebenen Gesten und grimassenhafter Mimik – absurde Variationen einer Erinnerung. Oder der Erwartung, die ich an den Kurs gehabt hatte Doch mit jedem Atemzug wurde aus dem Spiel etwas anderes. Das Alberne verlor sein Gewicht, ich gab mich den Bewegungen hin.
Ich merkte, dass ich begann, Spaß zu haben. Nicht, weil ich ihm etwas zeigen wollte, sondern, weil mir mein eigener Körper gefiel – so unkoordiniert und doch vertraut. Ich streckte mich, rollte mich auf die Seite, ließ den Blick zu ihm wandern. Und M. sah mich an, erst belustigt, dann länger, stiller.
Dieses Schweigen zwischen zwei Lachern war der Moment, in dem sich etwas kippte. Die Luft wurde ruhiger, dichter. Ich spürte, dass mein Puls sich beschleunigte, ohne dass ich mich schneller bewegte. Er saß auf der Sofakante, den Kopf leicht geneigt, ein halbes Lächeln, das verblasste. In seinem Blick lag jetzt Wärme, Lust, eine Form von Anerkennung, die mich traf.
Ich blieb kniend auf dem Boden, die Ellbogen gestützt, das Haar ein wenig gelöst. Kein bewusstes Posen mehr, nur Atmen, Anwesendsein. Seine Augen hielten meinen Blick, als prüfte er den Moment. Als er wusste, dass es der richtige war, stand er auf. Jetzt war alles entschieden.
Er kam näher, bis kein Schritt mehr zwischen uns war. Ich kniete noch immer, die Hände abgestützt, mein Atem unruhig. Für Sekundenbruchteile war alles still – kein Lächeln, keine Pose, keine Show. Nur wir.
Dann kniete er sich vor mich. Sein Knie berührte meins, nur ein Hauch, aber dieser Hauch war alles.

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