Die Ehre der Diebe

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Die Ehre der Diebe

Die Ehre der Diebe

Zina Straudt

Die schwarz gekleidete Gestalt wühlte hektisch durch den spärlichen Inhalt des Tresors. Verdammt, irgendwo musste sich das Speichermedium doch befinden. Wenn nicht im Tresor, wo dann in dieser Suite? Und in welcher Form? Die Informationen waren in dieser Hinsicht mehr als unzureichend gewesen. Der Tresor wurde frustriert geschlossen und der Eindringling begann systematisch, die Schränke und Schubladen der Hotelsuite zu durchsuchen. Viel Zeit blieb nicht mehr, das Bankett würde noch etwa eine halbe Stunde dauern und danach würde der Gast wieder auftauchen.
Zweimal Verdammt! Der Kunde würde nicht besonders nachsichtig reagieren, wenn die gewünschten Daten bis Morgen nicht auf seinem Computer waren und eine zweite Chance würde es nicht geben. Entgegen seiner sonst üblichen, vorsichtigen Vorgehensweise achtete der Eindringling nicht mehr darauf, seine Suche spurlos vorzunehmen. Die Datei konnte sich auf einem Stick, einer CD oder einem winzigen Chip verbergen, was die Suche immens erschwerte und die Zeit lief ihm allmählich davon. Das Geräusch der sich öffnenden Tür ging in dem lauten Gepolter, als eine Schublade zu Boden krachte, unter.
„Suchen sie etwas Bestimmtes?“
Der Eindringling zuckte zusammen, fuhr herum und stand dem Bewohner der Suite gegenüber.
Dreimal Verdammt! Der Kerl stand in der geöffneten Tür und versperrte den einzigen Weg nach draußen. Seine Brauen hatten sich ärgerlich zusammen gezogen und er warf mit einer raschen Handbewegung die Tür zu, bevor er sich dem ungebetenen Gast mit katzenhafter Geschmeidigkeit näherte. Dieser trat einige Schritte zurück, hob abwehrend die Hände und warf sich, kurz bevor sie aufeinander trafen, zur Seite. Für Bruchteile von Sekunden schien der überraschende Ausbruch geglückt, doch der Mann war erstaunlich wendig. Er erwischte die Jacke des Eindringlings und brachte ihn mit einer schnellen Drehung seines Arms aus dem Gleichgewicht. Zusammen stürzten sie auf den Boden und der Mann presste dem ungebetenen Besucher sein Knie in den Rücken.

„So Freundchen, ich glaube, bevor ich die Polizei rufe, werde ich dir erst mal eine ordentliche Abreibung verpassen“ knurrte er.
Seine Hand schloss sich um den Kragen des Eindringlings und er riss ihn auf die Füße. Das erschrockene Quietschen seines Opfers stoppte allerdings seine Faust, die bereits zum Schlag erhoben war.
„Was zum Teufel….“ Er riss der Gestalt die schwarze Schimaske vom Kopf und erstarrte für einen kurzen Augenblick, als sich Kaskaden von blondem Haar über ein zweifelsfrei weibliches Gesicht ergossen.
Große, grüne Augen blickten ihm ängstlich aufgerissen entgegen und ein furchtsames Keuchen erklang zwischen zitternden, fein geschwungenen Lippen.
Entgeistert starrte er auf die Frau, die bebend in seinem stahlharten Griff hing und erst ein leises Schluchzen von ihr brachte ihn wieder in zu sich. Er ließ die Faust sinken und, immer noch vollkommen überrumpelt von ihrem unerwarteten Anblick ihren Jackenkragen los, so dass sie auf ihre Füße fiel. Sie nutzte das Überraschungsmoment zu ihren Gunsten, tauchte unter seinem Arm hindurch und sprang in Richtung der Tür. Aber wieder war er schneller als sie und riss sie zu Boden. Doch noch im Fallen drehte sie sich zu ihm um und schlug ihre Zähne in sein Fleisch, als er abermals ihre Jacke packte. Wütend knurrend riss er seine Hand zurück um sofort mit der Anderen in ihr Haar zu greifen. Sie jaulte auf, als er sie packte, auf die Füße zog und wie ein kleines Kätzchen schüttelte.
„Du Wildfang!“ brummte er und zerrte sie zur Couch. Bäuchlings warf er sie über die Polster und hockte sich über sie. Er zog den Gürtel aus seiner Hose, drehte ihr die Arme auf den Rücken und verschnürte ihre Handgelenke, während sie sich wild unter ihm wand. Nachdem er sich erhoben hatte, griff er unter ihre Achseln und zog sie in eine sitzende Position, wobei er nur knapp einem Tritt entging.

„So, du kleines Biest, jetzt wüsste ich gerne, was du hier gesucht hast.“
Sie presste die Lippen aufeinander und bedachte ihn mit einem zornigen Blick, ohne ihn auch nur eines Wortes zu würdigen.
„Na schön, dann überleg noch ein Bisschen während ich es mir bequem mache.“
Er zog sein Jackett aus, warf es über einen Sessel, entledigte sich seiner Krawatte und krempelte die Hemdärmel auf. Aufmerksam beobachtete sie ihn unter halb gesenkten Lidern hervor. Von den Fotos her hatte sie zwar gewusst, dass er nicht nur eine hervorragende Figur besaß sondern außerdem auch verdammt gut aussah, aber seine raubtierhafte Kraft und Schnelligkeit hatten sie in Erstaunen versetzt. Als er den Kragen seines Hemdes aufknöpfte, erstarrte sie. An einer massiven Platinkette hing ein edel verzierter Speichstick um seinen Hals. Mist! Sie fluchte innerlich und überlegte fieberhaft, wie sie unbeschadet, natürlich mit dem Stick, aus dieser Nummer rauskommen sollte.
In der Zwischenzeit hatte er sich einen Drink eingeschenkt und lehnte nun, mit dem Glas in der Hand an der Bar. Sie spürte, wie er sie musterte, und eine Idee begann in ihrem Kopf Gestalt anzunehmen. Da sie wirklich ein wenig Angst hatte, fiel es ihr nicht schwer, ein furchtsames Zittern in ihre Stimme zu legen, als sie fragte:
„Was haben sie jetzt mit mir vor?“ und ihn dabei mit ihrem besten Kleinmädchenblick anzusehen.
Er runzelte die Stirn und trat auf sie zu, ließ allerdings genug Abstand zwischen ihnen, um nicht nochmal von ihr überrumpelt werden zu können.
„Ich will wissen, was du gesucht hast!“ knurrte er.
Sie senkte leicht den Kopf und murmelte:
„Geld, Schmuck, Kreditkarten. Und alles, was sich schnell zu Barem machen lässt.“
Dann hob sie ihr Gesicht und bettelte mit flehentlich weit aufgerissenen Augen:
„Bitte rufen sie nicht die Polizei, ich habe nichts von ihren Sachen fort genommen. Und“, sie schluckte, „es tut mir leid, dass ich sie gebissen habe.“
„Hm“, er genehmigte sich einen Schluck aus seinem Glas und näherte sich ihr vorsichtig.
Seine Augen glitten über sie und er stellte fest, dass ihm gefiel, was er sah. Das blonde Haar reichte ihr bis zu den Hüften und ihr Gesicht war äußerst ansprechend. Nicht fein genug, um dem gängigen Schönheitsideal zu genügen, aber genau dies machte sie in seinen Augen sehr interessant. Sie war, soweit er es erkennen konnte, nicht geschminkt und ihre cremefarbene Haut hob sich hervorragend von der schwarzen Kleidung ab. Eigentlich hatte er vor gehabt, sich nur kurz der unbequemen Krawatte zu entledigen und danach einen Abstecher in die Hotelbar zu machen, um sich nach einer hübschen Gesellschaft für die Nacht umzusehen.
Aber nun schien es ihm, er könne sich die Mühe möglicherweise sparen.
„Vielleicht könnte ich es wieder gut machen?“ flüsterte sie demütig und schenkte ihm einen hoffnungsvollen Blick.
„Vielleicht“ brummte er und stellte sein Glas beiseite. „Komm her!“
Gehorsam erhob sie sich und trat vor ihn.
Er legte einen Finger unter ihr Kinn und hob ihren Kopf, so dass sie in seine Augen sehen musste.
„Und wie hattest du dir das vorgestellt?“
Verführerisch fuhr sie sich mit der Zungenspitze über die Oberlippe und hauchte leise: „Ich könnte ein sehr braves Mädchen sein, das tut, was sie wünschen.“
Er schnaubte gleichermaßen belustigt wie erregt. Die kleine Katze bot sich ihm tatsächlich an, in der Hoffnung, dass er sie laufen ließ. Kurzentschlossen öffnete er ihre Jacke und ließ seine Hand unter ihr Shirt gleiten. Einen Büstenhalter trug sie nicht und so ertasteten seine Finger wohlproportionierte, feste Brüste deren Warzen bereits steil aufgerichtet waren. Sanft zwirbelte er sie zwischen Daumen und Zeigefinger, was ihr einen kleinen Seufzer entlockte. Ihre Augen waren geschlossen und sie zitterte leicht unter seinen Berührungen, als er seine Finger weiter über ihre Haut gleiten ließ.
Als er jedoch den Verschluss ihrer engen Hose öffnete und seine Hand hinein schob, fiepte sie erschrocken auf. Der Mistkerl hatte doch wohl nicht vor, sie sofort hier, mit auf den Rücken gefesselten Händen zu nehmen? Sie wand sich unbehaglich und verzog schmerzlich das Gesicht.
„Bitte, meine Arme tun weh“ hauchte sie.
Abschätzend sah er sie an und drehte sie dann an den Schultern um, so dass er ihre Fesseln lösen konnte. Den Gürtel noch in der Faust haltend sah er zu, wie sie ihre Handgelenke rieb, auf denen das harte Leder seine Spuren hinterlassen hatte. Auf ihren fragenden Blick hin wies er mit dem Kopf auf die Schlafzimmertür. Er folgte ihr hinein und blieb mit verschränkten Armen im Türrahmen stehen.
„Wie heißt du?“
Sie legte den Kopf schräg und er konnte an ihren Augen ablesen, dass seine Frage sie überraschte.
„Mia.“
Ihre Antwort war so schnell erfolgt, dass er sich sicher war, ihren richtigen Namen erfahren zu haben. Oder aber, sie war eine sehr geübte Lügnerin.
„Gut Mia, zieh dich aus“, forderte er. „Und solltest du versuchen, mich reinzulegen, wirst du es bereuen. Hast du mich verstanden?“
Sie biss sich auf die Lippen, um deren Zittern zu verbergen und nickte. Langsam machte er ihr wirklich Angst. Sicher, sie war eine Diebin, aber in eine Situation wie diese war sie glücklicherweise noch nie geraten. Allerdings war sie bislang auch noch nie so dumm erwischt worden.
Mia streifte ihre Handschuhe und ihre Jacke ab. Dann schlüpfte sie aus den weichen Schuhen und zog sich ihr Shirt über den Kopf. Sie spürte förmlich, wie seine Augen über ihre Brüste glitten und konnte der Versuchung, sie mit den Händen zu bedecken, kaum widerstehen. Schnell, bevor sie ganz der Mut verlassen konnte, stieg sie aus ihrer Hose. Jetzt bedeckte nur noch ein zarter Spitzenslip ihre Blöße und ihre Hände zitterten, als sie auch diesen zu Boden fallen ließ. Splitterfasernackt stand sie vor ihm und er musste lächeln, als er die schamhafte Röte bemerkte, die über ihre Haut zog. Gemächlich schritt er um sie herum und ließ dabei hier und da seine Finger über ihren Körper streichen. Jede seiner Berührungen ließ sie leicht zusammenzucken und als er hinter ihr stand, ihr Haar anhob und seine Lippen die zarte Haut ihres Nackens streiften, lief eine Gänsehaut über ihren nackten Körper. Angenehm überrascht von ihren Reaktionen zog er sie an sich. Sie mochte eine Einbrecherin sein, aber sie war bestimmt keine Prostituierte.
Seine Hände fuhren liebkosend über ihre Brüste und ihren Bauch während sein Mund heiß über ihren Hals und ihre Schultern strich. Ihre Ängstlichkeit erregte ihn genauso, wie ihr nackter, zierlicher Körper aber er war sich darüber bewusst, dass er behutsam vorgehen musste.
Mia bebte innerlich. Er hatte sie taxiert wie ein zum Verkauf stehendes Pferd und sie hatte erwartet, dass er sofort über sie herfiel. Nun aber schien es ihr, als würde er sich nicht, wie sie gehofft hatte, mit einer schnellen Nummer zufrieden geben, sondern die Sache richtig auskosten wollen. Seine Erektion drückte bereits hart in ihren Rücken und sein Atem hatte sich merklich beschleunigt, seit er sie an sich gezogen hatte. Als er eine Hand über ihr Hinterteil streichen ließ und seine Finger anschließend zwischen ihre Schenkel glitten, erstarrte sie. Er schob seinen Fuß zwischen die ihren und zwang sie so, die Beine ein wenig zu spreizen während er sie gleichzeitig mit seiner Hand auf ihrem Bauch an sich gepresst hielt. Zart strich er mit den Fingern über ihren Kitzler und drang vorsichtig nur mit einer Fingerspitze in ihre Spalte.
Ein Hauch von Feuchtigkeit sagte ihm, dass seine Bemühungen anscheinend nicht erfolglos waren und die Versuchung, sie auf der Stelle zu nehmen, war groß, aber sie war noch nicht ganz bereit für ihn. Er strich noch einmal mit den Lippen über ihren Hals, bevor er ihre Hand ergriff und sie zum Bett zog.
„Leg dich hin.“
Mia gehorchte und lag mit ängstlich geweiteten Augen vor ihm.
Er schob sich neben sie auf die Laken, beugte sich über sie und küsste sie lange und genießerisch, bis sie sich entspannte und begann, das Spiel seiner Zunge zu erwidern.
„Hab keine Angst, ich werde dir nicht weh tun“, murmelte er ihr zu, bevor er seinen Mund auf ihre Brust senkte. Mia keuchte auf, als sie spürte, wie seine Zunge mit ihren steifen Brustwarzen spielte und seine Hand zwischen ihre Schenkel glitt. Oh Gott, er war wirklich gut und wusste, was er tat. Ihre Schamlippen schwollen an und sie fühlte, wie ihre Spalte nass wurde, als er sanft über ihre Perle rieb und mit den Fingern in sie drang, ohne dass er aufhörte, mit seinem Mund ihre Brüste zu verwöhnen. Sie rutschte unruhig auf den Laken herum und konnte sich ein lustvolles Keuchen nicht verkneifen. Seine Finger bewegten sich immer schneller und Mia spürte, wie die köstliche Feuchtigkeit aus ihr heraustropfte, während er sie dem Höhepunkt entgegen trieb. Schließlich blieb ihr nichts anderes zu tun, als die Hände in die Kissen zu krallen und sich leises aufschreiend zu versteifen, als die Woge ihrer Lust sie überrollte. Zuckend sank sie zurück und noch bevor sich ihr Herzschlag wieder beruhigen konnte, öffnete er seine Hose, befreite seinen steifen, pochenden Schwanz und schob sich über sie. Bereitwillig öffnete sie ihre Schenkel für ihn und nahm dankbar wahr, wie vorsichtig er in sie eindrang. Seine Stöße waren zu Anfang noch langsam und sanft, aber als er feststellte, dass sie ihm die Hüften auffordernd entgegen hob, steigerte er sein Tempo. Mia krallte ihre Nägel in seinen Rücken und keuchte verzückt, als sie ihren zweiten Orgasmus in dieser Nacht erreichte. Er knurrte zufrieden, als er spürte, wie sich ihre enge Scham kontrahierte und seinen Schwanz wie eine kleine Faust umschloss. Aufseufzend rammte er sein Glied zum letzten Mal in ihre Spalte und ergoss sich auf seinem Höhepunkt in sie. Dann küsste er sie zärtlich auf die Stirn und sank neben ihr auf die Laken. Er strich die Haare aus ihrem Gesicht und nahm zufrieden den verträumten Ausdruck in ihren Augen wahr.

* * *

Der Morgen graute bereits, als sie aus dem Hotel trat und mit zitternden Knien die Straße überquerte. Sie stolperte zu dem alten VW-Bus auf den gegenüber liegenden Parkplatz und hämmerte gegen die Scheibe, bis die Verriegelung geöffnet wurde und sich die Tür mit einem altersschwachen Quietschen öffnete. Erschöpft zog sie sich auf den Beifahrersitz und ließ sich in die Polster sinken.
„Um Gottes Willen, Mia“ rief ihre Schwester erleichtert, „ich bin fast vor Angst gestorben. Hast du dich die ganze Nacht unter dem Bett versteckt?“
Mia warf ihr einen müden, aber auch zufriedenen Blick zu und zog sich die Kette mit dem Speicherstick über den Kopf.
„Unter dem Bett wäre ja noch gegangen!“ grinste sie.
„Was? Was hat der Bastard mit dir angestellt?“
„Was er mit mir angestellt hat, Ellen?“ Mia seufzte. „Der Hurensohn hat mich so durchgevögelt, dass ich kaum noch laufen kann.“
„Oh je, Mia!“ Ihre Schwester umarmte sie und strich ihr über die zerwühlten Haare. „Du Arme. Brauchst du einen Arzt?“
Mia lachte laut und nahm die Hände ihrer Schwester in die ihren. „Nur wenn du einen Arzt kennst, der den Muskelkater in meiner Muschi beseitigen kann. Der Kerl hat mich mit seinem Mund, seinen Händen und seinem Schwanz die halbe Nacht lang und fast ohne Pause gebumst. Er war einfach göttlich! Ich bin so oft gekommen, dass mir noch immer die Hände zittern. Fast eine halbe Stunde hat es mich gekostet, ihm die Kette zu stibitzen als er endlich eingeschlafen war, weil ich meine Finger nicht unter Kontrolle bekommen habe. Aber“ ihre Augen blitzten triumphierend, „ich hab das Ding! Und jetzt lass uns fahren, damit wir unser Geld bekommen.“
Ein bestürzter Ausdruck trat in Ellens Gesicht.
„Mia, ich muss dir was sagen.“ Sie schluckte und neigte den Kopf, um ihrer Schwester nicht in die Augen sehen zu müssen. „Ich bin dir gestern Abend gefolgt, aber es war zu spät. Kurz bevor ich am Zimmer ankam, ging er schon hinein und ich konnte dich nicht mehr warnen.“ Sie stockte und fuhr sich nervös mit der Zunge über die Lippen. „Unser Kunde hatte mich kurz zuvor kontaktiert und den Auftrag abgeblasen.“
„Was?“ Mia schrie wütend auf. „Das kann doch nicht wahr sein. Du willst damit nicht sagen, dass ich mir das alles hätte sparen können?“
Ellen verzog das Gesicht und nickte. „Der Deal ist gestern Abend auf dem Bankett über die Bühne gegangen. Anscheinend ist man sich doch noch handelseinig geworden und die Daten wurden sofort übergeben.“
Sie strich ihrer Schwester beschwichtigend über die Hand.
„Mia, es tut mir so leid. Was machen wir denn jetzt?“
Mia schüttelte nur den Kopf. „Was ich mache, kann ich dir sagen. Ich muss dringend nach Hause und mich duschen!“

***

Einige Stunden später betrat eine elegant gekleidete Frau die Hotellobby. Sie sprach kurz mit einem Angestellten an der Rezeption und begab sich dann in den Frühstücksraum. An dem Tisch eines Mannes, der hinter einer aufgeschlagenen Zeitung und vor den Resten eines späten Frühstücks saß, blieb sie stehen und räusperte sich, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Er ließ die Zeitung sinken und betrachtete die Frau interessiert.
Das teure, enge Kostüm ließ sie noch zierlicher erscheinen und ihr langes Haar war zu einem strengen Knoten aufgesteckt. Sie setzte die dunkle Brille, die ihre müden Augen verborgen hatte ab und bedachte ihn mit einem strafenden Blick. Dann griff sie in ihre Jackentasche und warf ihm eine Kette samt Anhänger in seine, noch gefüllte Kaffeetasse.
„Du hast es die ganze Zeit gewusst, nicht wahr?“ fragte sie eisig.
Er faltete seine Zeitung sorgfältig zusammen, legte sie beiseite und deutete auf einen Stuhl.
„Mia, nimm Platz. Ein Kaffee wird dir bestimmt gut tun.“
Er winkte dem Kellner und wartete, bis Mia sich gesetzt hatte und eine Tasse Kaffee vor ihr stand, bevor er ihr antwortete.
„Gewusst nicht“, er grinste sie frech an, „vermutet schon.“
Mit spitzen Fingern fischte er den Stick aus seiner Tasse und legte ihn auf eine Serviette, bevor er sich bequem zurücklehnte.
„Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass es mir leid tut. Und du hattest du eine Strafe verdient. In unserem Metier gibt es nicht viele Regeln, aber unser Codex verbietet, dass wir uns nicht gegenseitig bestehlen! Außerdem“, er grinste noch breiter, „bist du meines Wissens nach in der letzten Nacht trotzdem auf deine Kosten gekommen.“
Erfreut beobachtete er, wie sich ihre Wangen röteten und er wagte es, seine Hand über ihre zu schieben.
„Mia, ich freue mich, dass du hier bist. Ich kann mir vorstellen, dass du nicht begeistert über den leeren Stick bist, aber ich möchte dir sagen, dass die letzte Nacht die Beste war, die ich seit langer Zeit hatte. Und“, er zog ihre Finger an seine Lippen, „ich hoffe, du hast Lust auf eine Wiederholung!“
Mia sah ihn entgeistert an und riss ihre Hand zurück.
„Das ist nicht dein Ernst, oder?“
Enttäuschung zeichnete sich auf seinem Gesicht ab, als er antwortete. „Doch, es ist mein Ernst. Ich hatte gerade gehofft, wir könnten, solange ich in der Stadt bin, ein paar nette Tage zusammen verbringen. Und natürlich“, er lächelte entschuldigend, „auch ein paar nette Nächte.“
„Nein.“ Sie schüttelte den Kopf. „Das meine ich nicht.“ Dann grinste sie schalkhaft. „Ich meine, es ist nicht dein Ernst, dass du wirklich glaubst, du schaffst noch ein paar solche Nächte!“
Er lachte schallend, stand auf und trat um den Tisch. Dann beugte er sich zu einem langen Kuss zu ihr hinab und flüsterte ihr anschließend ins Ohr: „Kätzchen, wenn du möchtest, können wir sofort auf mein Zimmer gehen und ich beweise es dir.“

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