Ein Abend ohne Folgen

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Ein Abend ohne Folgen

Ein Abend ohne Folgen

Leni Trattner

Die Bewegung war langsam genug, dass sie wie eine Frage wirkte, und ich antwortete mit meinem Körper. Ich spürte die raue Oberfläche der Wand im Rücken, seine Wärme vor mir, und zwischen uns den Atem, der heißer wurde.
Das Licht flackerte kurz, irgendwo fiel ein Schlüsselbund, vielleicht im Foyer. Ich hörte draußen gedämpft das Rumpeln der Straßenbahn über die Ringstraße, und all diese Geräusche verbanden sich zu einem Hintergrundrauschen, das nichts Bedrohliches mehr hatte – nur Realität.
Seine Lippen glitten weiter über meinen Hals, tiefer, suchten die Linie bis zum Schlüsselbein, wo seine Zunge kurz verweilte, warm und feucht. Ich atmete scharf ein, der Laut prallte an die Wand und verhallte wie eine kleine Erschütterung. Seine Hände pressten sich nun fester gegen meinen Rücken, zogen mich dichter an sich, bis kaum mehr Raum zwischen uns blieb. Durch das dünne Gewebe spürte ich seine Wärme, seine Härte, den Impuls seines Atems an meiner Brust.
Ich legte den Kopf zurück, ließ ihn gewähren, während meine Finger den Stoff seines Hemds ertasteten – zuerst glatt, dann feucht von Haut und Hitze. Der Geruch von uns mischte sich mit dem Theaterstaub, metallisch und süß zugleich. Mein Körper spannte sich, suchte Halt an ihm, an der rauen Wand hinter mir, an allem, was wirklich war.
Seine Finger fanden meinen Oberschenkel, zogen eine Spur über die Strumpfnaht hinauf, langsam, fordernd. Wo sie berührten, zog sich meine Haut zusammen, brannte, verlangte nach mehr. Ich hörte das Rascheln der Strümpfe, das Flirren des Stoffes, spürte jede Bewegung wie einen Funken. Ich ließ ihn gewähren, fühlte das Nachgeben, das in Wellen kam.
Ich weiß nicht, wie lange all dies dauerte. Der Moment hatte keine Uhren – nur den Geruch alter Samtvorhänge, das fahle Licht, den Druck seiner Hände an meinen Hüften und das Gefühl, dass die Zeit draußen vor der Tür geblieben war.

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