„Verzeih mir, ich lerne das noch, versprochen.“, flüsterte er in mein Ohr.
Der Schuft wusste genau, dass ich ihm nicht wirklich lange böse sein konnte. Zumal er an meinem Ohrläppchen herumknabberte und mit seinen Fingerspitzen über die Haut auf meinem Nacken fuhr. Mit jedem Strich seiner Finger, mit jedem Biss in das Ohrläppchen verflog meine Wut ein Stück mehr, bis sie mit einem kleinen Rauchwölckchen völlig verflogen war.
„Ok, Chris, ich möchte das gern mit Raoul besprechen. Es hängt doch unser weiteres Leben davon ab. Vermutlich nicht nur das, sondern auch, wie das mit uns als Duo weitergeht. Und bevor das jetzt mit euch gleich in einer wilden Knutscherei endet, würden wir uns jetzt gern zurückziehen.“
„Duo, nicht Paar?“, zog Chris die Stirn kraus.
„Ja, Duo. Wir sind kein richtiges Paar, nicht nach meiner Vorstellung von dem, was ein Paar ausmacht. Jedenfalls bisher nicht.“
„Oh, dass … ähm, war mir neu. Ich dachte …!“
„Das tun alle, aber es ist nicht so. Komm Raoul, wir gehen nach oben.“, zog Shiva den Muskelmann aus dem Sessel und hinter sich her aus dem Raum.
Chris und ich standen noch eine ganze Weile dicht voreinander. Mein Kopf lehnte an seiner Brust. Sein Herz hämmerte, schnell und stark an meinem Ohr. Fest klammerte ich mich an ihn und fühlte mich geborgen.
„Josie, mein Liebling, bisher musste ich immer der Starke sein, ob ich nun wollte oder nicht. In diese Rolle wurde ich gezwungen, bis ich mich damit abfand. Nun habe ich eine ebenso starke Frau an meiner Seite.“
„Genau deshalb darfst du auch gern mal der Schwache sein, Chris! Du musst nicht immer alle Entscheidungen treffen, darfst auch mal sagen: ‚Ich weiß es nicht‘! Darfst auch mal weinen, wenn dir danach ist! Es ist ein Zeichen von Stärke, seine Tränen zuzulassen. Ich liebe dich, warum kannst du dich nicht auf mich als die Frau, die du liebst, einlassen? Warum kannst du dich nicht fallenlassen? Schatz, ich bin an und auf deiner Seite, du bist mein Partner, mein Mann … wir sind zusammen! Du kannst dich auf mich verlassen, im Guten und im Schlechten, versprochen!“
„In guten und in schlechten Zeiten …!“, wiederholte er leise. Seine Umarmung wurde locker, Hände wanderten auf meinem Rücken herum, strichen meine Konturen nach, sanft und zärtlich.
„Komm Schatz, der Tag war aufregend genug, lass uns noch ein bisschen kuscheln und dann schlafen, ok?“, bestimmte ich und löste mich von seiner Nähe
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Endlich durfte ich wieder an meinen Schreibtisch! Ein Umstand, der mich von den Aufregungen der letzten Tage ablenkte. Ich war nicht lange weg, kürzer, als es bei jedem Urlaub der Fall war, trotzdem freute ich mich darauf, Karo wiederzusehen, die mir den Kaffee brachte, als wäre ich nie weggewesen, oder Lydia und Manuela kurz in die Arme zu nehmen.
Endlich wieder ein Stück Normalität, die mir so wichtig war, weil sie sich so sehr von der Normalität in der Villa unterschied. Ich war nun mal eine bodenständige Frau, die aus einfachem Elternhaus stammte. Verhältnisse, die auch Chris bis vor ein paar Jahren nicht fremd waren. Von denen er sich aber durch seinen Erfolg und seinen Reichtum ein Stück entfernt hatte und somit für ihn zu einer Parallelwelt geworden war.
Ein Abschnitt endet
Josie
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