Und jetzt stand sie hier, ganz allein irgendwo im afrikanischen Busch, in dem es nur so wimmelte von wilden und gefährlichen Raubtieren, Schlangen und Insekten. Und sie trug nichts am Leib als ein durchweichtes Seidentop und einen kurzen Rock, der jede Ähnlichkeit mit dem Stück Haute Couture aus dem Schaufenster an der 5th Avenue aufgegeben hatte. Auch die Luxus-Handtasche mit ihrem Smartphone, den Ausweispapieren und Kreditkarten war mit dem Wagen in den Fluten davon geschwommen.
Als US-Amerikanerin war sie gewohnt, bei internationalen Geschäften den Ton anzugeben. Amerikanische Unternehmen setzten die Regeln, sie diktierten die Preise und Lieferkonditionen. Ganz besonders galt das in der dritten Welt. Aber die Verhältnisse hatten sich geändert. Zu lange hatten die USA den afrikanischen Kontinent vernachlässigt. China und Russland waren in die Region gedrängt, hatten unzählige Quadratmeilen Land gekauft, Eisenbahnlinien gebaut, Waffen geliefert und investiert. Auch die Europäer hatten die Entwicklung völlig verschlafen. Doch alle brauchten dringend die Rohstoffe, die seltenen Erden, das Gold.
Ihr Boss hatte sie zu diesem Meeting nach Nairobi geschickt, es sei eine Bewährungsprobe für sie, als Anwärterin auf eine Führungsposition. Mit ihrem Charme würde sie schon günstige Verträge aushandeln. Doch schon bald nach ihrer Ankunft hatte sie kapiert, dass die aus ganz Afrika angereisten Regierungsvertreter und Manager sie nicht einmal bemühten, sie ernst zu nehmen und sich wohl mehr für ihren Körper, als für ihre Argumente interessierten.
Vor der Unterzeichnung lukrativer Verträge müsse sie erst einmal das Land kennenlernen, hatten die Organisatoren beschlossen, und sie zu dieser verdammten Safari genötigt. Schon der Gedanke an eine Nacht in einer Lodge, mitten imNationalpark, hatte Panikattacken bei der New Yorkerin ausgelöst, deren Bedürfnis nach Natur schon mit den künstlichen Palmen ihres Spa irgendwo im 35.
Ein afrikanischer Albtraum – Teil 1
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Ein afrikanischer Albtraum – Teil 1
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