Stock in Manhattan gestillt war. Leute, die ein Picknick auf einer der Wiesen des Central Park veranstalteten, lösten bei ihr nur ein Kopfschütteln aus.
Sie versuchte, sich zu orientieren, machte ein paar Schritte weg vom Wasser, da verabschiedete sich auch noch ihr Rock endgültig von den Hüften. Sie stolperte und ließ das hinderliche Ding achtlos im Schlamm liegen. Jetzt war ihr zarter Körper praktisch völlig ungeschützt den Elementen ausgeliefert. Aber den Löwen am Ufer oder den Krokodilen imFluß war vermutlich völlig egal, dass ihnen ihre leichte Beute nun quasi unverpackt serviert wurde.
So plötzlich, wie der tropische Starkregen gekommen war, ließ er auch wieder nach. Übrig blieb ein gleichmäßiger Schauer. Gelockerte Wolken ließen das Mondlicht auf die nasse Landschaft durchdringen. Sie sah sich um. Nichts als nasser Busch auf der einen Seite und eine endlose Fläche dunkler, blubbernder Brühe auf der anderen. Vorsichtig setzte sie einen Fuß vor den anderen, tastete sich mit den Zehen über schmerzhaft stachliges Unterholz, stolperte und fiel in etwas sehr warmes, weiches. Was für ein Gestank! Sie fing an zu heulen, dann rappelte sie sich wieder auf. Nein, sie würde hier nicht in einem Haufen Elefantenscheiße verrecken! Sie sah sich noch einmal um. Weit und breit kein Orientierungspunkt, der ihr einen Weg hätte weisen können. Oder vielleicht doch? Nicht weit entfernt erblickte sie ein Metallgerippe. Ein vom Sturm umgeknickter Antennenmast! Ein Zeichen menschlicher Zivilisation. Und tatsächlich erkannte sie daneben einen Weg, der sie hoffentlich von hier aus irgendwo hinführen würde.
Noch immer war es still, die meisten Tiere hatten sich einen sicheren Unterschlupf gesucht, und kamen nur langsam und leise aus ihren Verstecken. Vermutlich hätten sie auch keinen Sinn für die Ästhetik des Augenblicks gehabt. Ein menschlicher Beobachter aber wäre hingerissen gewesen.
Ein afrikanischer Albtraum – Teil 1
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Ein afrikanischer Albtraum – Teil 1
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