Igor grübelte die halbe Nacht, überlegte angestrengt, wie er die Flucht der Familie des Bojaren organisieren sollte. Er durfte nichts überstürzen, keine unvorsichtigen Schritte unternehmen. Morgen wollte der Fürst Sophies Mutter aufsuchen, was seiner Geliebten etwas Ruhe versprach. Igor beschloss, dass er den morgigen Tag abwartete. Danach würde er klarer sehen. In Gedanken bei Sophie schlief er endlich ein. Die Nacht sollte kurz werden, da der Fürst schon gegen acht Uhr bei Katharina sein wollte. Er hatte eine weitere Boshaftigkeit im Sinn, die ihn regelrecht aus dem Bett trieb. Der Fürst befahl, den Bojaren zu seiner Gattin zu bringen, wo sie zusammen auf ihn warten sollten. Igor ahnte, was er vorhatte und konnte doch nichts dagegen tun. Er betrat mit dem Fürsten das Zimmer, in welchem das Ehepaar ausharrte. Der Bojar stand aufrecht, Katharina saß hinter ihm in einem Korbsessel. Sie litt unter leichten Schmerzen, die in ihrem verkniffenen Gesicht zu lesen waren. Ihr Mann hatte sie gefragt, ob sie misshandelt worden sei? Katharina verneinte, da sie sich schämte. Der Bojar glaubte ihr nicht, gab sich aber mit ihrer Antwort zufrieden. Vielleicht war es besser, wenn er nicht die ganze Wahrheit erfuhr. Wenigstens konnte er nun bei seiner Katja sein!
Der Fürst begrüßte den Widersacher, erging sich in belanglosen Höflichkeiten. Beißender Spott lag dennoch in seinen Worten, die nur dem Zwecke der Demütigung dienten. Es klang wie der Hohn:
„Ich begrüße Euch, edler Bojar Grochov samt Eurer schönen Katharina! Oh ja, ich durfte mir schon ein Bild von ihren Reizen machen. Ist es nicht so, Madame? Aha, Ihr habt es Eurem Gatten noch gar nicht gesagt! Dann will ich ihm sogleich berichten, was sich gestern hier zugetragen hat…“
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.