Ein heißer Tag im Wald

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Ein heißer Tag im Wald

Ein heißer Tag im Wald

Alina Soleil

Dann hast du die Sicherheit, dass uns niemand überrascht und ich bekomme endlich meinen sehnlichsten Wunsch erfüllt.“
„Das ist wirklich dein sehnlichster Wunsch?“, sagte ich und sah Cem fragend an.
Cem nickte nur und zuckte entschuldigend mit den Achseln. Wir schauten uns lange schweigend an. Im Radio lief „True Colors” von Cindy Lauper.

Nach einer gefühlten Ewigkeit sagte ich: „Ok. Wenn es dein sehnlichster Wunsch ist, dann will ich ihn dir erfüllen.“
Cems Augen wurden groß, er strahlte mich regelrecht an.
„Aber du kümmerst dich darum, dass wir beide was davon haben“, fügte ich hinzu.
„Geht klar!“, sagte Cem, und ich hörte in seiner Stimme, wie sehr ihn das freute. „Bin schon bei der Arbeit.“

In den kommenden Tagen hatten wir dann nur noch ein Thema: wie und wo wir es tun würden. Nach einigem Hin und Her stand unser Plan fest: Am 15. August, wenn im Saarland der katholische Feiertag Mariä Himmelfahrt ist, würden wir in die Pfalz fahren. „Offiziell“ zum Wandern, in Wirklichkeit zum Vögeln. Wir wohnen nah an der Grenze zum Pfälzerwald und planten daher einen Ausflug ins Wasgau, eine wenig bekannte Mittelgebirgsregion mit bizarren Buntsandsteinfelsen und zahlreichen Burgruinen. Gerade im Hochsommer liebe ich diese Gegend, die staubig trockenen Wanderpfade entlang der roten Sandsteinformationen, wenn die Luft über sonnigen Felswänden flimmert, wenn es aromatisch nach Kiefern und Ginsterbüschen duftet, wenn bis auf das Zirpen der Zikaden und das Rascheln der beim Sonnenbaden aufgeschreckten Eidechsen kein Laut zu vernehmen ist.

Außer den Saarländern haben an Mariä Himmelfahrt nur die Bayern frei. Und alle jene, die Mitte August im Sommerurlaub sind, fahren entweder ans Meer oder in die Berge, oder verbringen die heißen Tage im Schwimmbad oder zu Hause auf der schattigen Terrasse.

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