Seit Monaten schon nervt mich mein Freund Cem damit, dass er es unbedingt mal mit mir im Freien tun will. Obwohl er genau weiß, dass ich nicht so sehr auf Sex in der Öffentlichkeit stehe. Eigentlich gar nicht. Ich bin sonst für jeden Blödsinn zu haben: Sexting, Dirty Talking, Rollenspiele – ich habe mich sogar schon beim Masturbieren gefilmt!
Aber ich fühle mich sofort gehemmt, wenn ich nur ansatzweise das Gefühl habe, dass uns jemand beobachten könnte. Dabei weiß ich genau, dass es den meisten Leuten wahrscheinlich völlig egal wäre, und dass die, die sich künstlich darüber aufregen, vielleicht einfach nur neidisch sind. Und dass es eigentlich auch überhaupt nicht peinlich ist, wenn einen jemand beim Sex erwischt. Alle tun es, jeder sieht dabei mehr oder weniger affig aus, es ist nichts, wofür man sich schämen müsste. Ich weiß das, aber mein Unterbewusstsein nicht.
Ich weiß aber auch, dass es genau das ist, was ihn kickt. Das Risiko, dass man uns überraschen könnte. Der Reiz der Gefahr, des Verbotenen, das macht ihn an. Mich turnt das eher ab. Paradoxerweise ist Sex in der Öffentlichkeit aber auch eine meiner geheimen Fantasien! Und deshalb bekomme ich das auch nicht auf die Reihe. Wie kann etwas sowohl eine Fantasie sein (zu der ich mich mehr als einmal selbst befriedigt habe) und zugleich ein solcher Abturner? Es ist ja nicht so, dass wir das nicht schon versucht hätten. Also Cem hat es versucht: mich am Strand zu verführen, in der Umkleide im Schwimmbad, beim Picknick in den Weinbergen. Stets habe ich ihn zurückgewiesen, weil ich immer diese panische Angst vor der Peinlichkeit einer Entdeckung hatte. Nur einmal bin ich komplett über meinen Schatten gesprungen: Das war in St. Brieuc, in einem kleinen Programmkino. Aber da waren wir allein, außer uns war niemand in der Vorstellung.
Ein heißer Tag im Wald
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Ein heißer Tag im Wald
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