Nichts schien runtergetropft zu sein. Hier legte sie sich, die Beine auf das vermeintliche Kopfteil, Oberkörper und Kopf viel tiefer auf das Möbel. Es wurde also auf Nummer sicher gegangen, soviel verstand ich auch davon. Der eingetrichterte Schmodder sollte nicht frühzeitig aus ihr rausfallen, sondern an berufener Stelle seine Wirkung entfalten. In dieser Haltung verharrte Kara, die ‚Weiße Frau‘, dann eine halbe Stunde.
Die beiden Lydias standen regungslos neben ihr und schienen im stillen Gebet versunken. Mit Ihren Kappen erinnerten sie mich an zwei überdimensionale Pilze.
Dann trollten sie sich alle drei.
Wie sich bald herausstellte, fing der Stress jetzt erst richtig an! Schon nach zwei Stunden standen die beiden Blaukäppchen wieder vor dem Altar, diesmal eine sehr zierliche Blondine im Schlepptau, die genauso ein Kleid trug wie die erste Zuchtstute.
Mir trat der Angstschweiß auf die Stirn. Für wen hielten die mich, für Rocco Siffredi? Natürlich ging zunächst noch weniger, als bei Kara, obwohl Patricia, das wäre zumindest nach der Tafel ihr Name, nicht hässlich war, wirklich nicht. Sie war, ganz im Gegenteil, ein ausgesprochen hübsches Kind.
Aber es fehlten mir jegliche sonstigen visuellen Anreize. Sie schubberte auf mir rum, als wolle sie nach Laramie/Wyoming reiten, aber es tat sich nicht viel – um genau zu sei: nichts! Da half auch das hübsche Gesicht nicht weiter.
Tante Lydia 2 hatte schon wieder die Peitsche in der Hand. Als ob Schläge helfen würden meinen arbeitsscheuen Höhlentroll in Form zu bringen! Ich erinnerte mich an meine Militärzeit in Fort Benning und sagte: „Bitte um Erlaubnis, sprechen zu dürfen!“
Lydia 2 hob reflexartig die Peitsche, aber Tante Lydia 1 sagte: „Lass ihn.“
Und dann sprach ich zu den beiden alten Schachteln: „Ich will ja gerne behilflich sein, aber mir fehlen hier alle Anreize. Ich brauche was für’s Auge, sonst geht hier nichts.“
„Das Ritual erlaubt das nicht.“
Ein Hoffnungsschimmer
Nach dem großen Sterben - Teil 2
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Ein Hoffnungsschimmer
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