Ein Hoffnungsschimmer

Nach dem großen Sterben - Teil 2

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Ein Hoffnungsschimmer

Ein Hoffnungsschimmer

Reinhard Baer

“ Ich streifte meine Boxershorts runter, schämte mich ein bisschen für meinen Pflegezustand und meinen Little Joe, der sich vor Angst und Verspannung in mir verkrochen zu haben schien. Ihre Hand im Waschlappen und das warme Wasser brachten ihn allerdings dazu, aus seinem Versteck zu kommen und doch noch eine halbwegs vorzeigbare Figur zu machen. Meine namenslose Waschfrau, ich nannte sie bei mir die „Zahnfee“, grinste, machte aber ansonsten unbeirrt weiter.

Ich versuchte rauszubekommen, was hier los war, fragte sie danach. Keine Reaktion. Ich fragte erneut und erhielt endlich eine Antwort: „Mir ist verboten, mit dir zu sprechen.“ Dann schwieg sie wieder. Das Flintenweib am Eingang schaute schon sehr ungehalten zu uns herüber, daher unterließ ich weitere Kommunikationsversuche.
Ich würde es sowieso bald erfahren!

Das Ritual

Kurz nach dem sie fort war, bekam ich erneut Besuch. Drei Frauen betraten die Jurte. Eine trug ein knielanges weißes Kleid, vom Stoff her einem Hochzeitskleid nicht unähnlich, aber nicht ganz so pompös. Auch war es langärmelig und hochgeschlossen. Was drinnen steckte ließ sich nur erahnen. Die beiden anderen trugen identische dunkelblaue Umhänge aus Samt und dazu altmodisch wirkende Hauben aus dem gleichen Material und mit identischem Farbton. Was wurde das denn jetzt? Die beidem mit dem Samtumhang, die mich an eine Tante aus meinen Kindertagen erinnerten, taufte ich beide auf den Namen „Tante Lydia“. Die beiden Lydias zündeten die Fackeln rechts und links des „Altars“ an.

Die ‚weiße Frau‘ stand derweil vor dem Altar, schien im Gebet versunken. Dann führten die drei im Schein der flackernden Fackel zusammen noch ein paar Rituale durch, offensichtlich eine Art Zeremonie, während die Wache weiter regungslos und scheinbar gelangweilt am Eingang postiert blieb.
Mit den rituellen Details möchte ich hier niemanden langweilen. Auf jeden Fall wurde mir das immer rätselhafter.

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