Ein Mann zu viel, einer genau richtig

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Ein Mann zu viel, einer genau richtig

Ein Mann zu viel, einer genau richtig

Leni Trattner

Aber auch, dass jemand weiß, wie ich berührt werden will, wenn ich mich nicht einfach nur begehrt, sondern angenommen fühlen möchte.
Ich komme ruhig, keine Explosion, eher eine Erfüllung. Kein Ankämpfen, noch ein paar Sekunden länger die Spannung aufrechtzuerhalten, sondern einfach ein Loslassen.
Danach liegen wir eng aneinander, und die Stille zwischen uns ist nicht leer, sondern erfüllt. Seine Stirn an meiner, mein Arm um ihn, seine Hand irgendwo an meinem Rücken — alles ganz selbstverständlich, als hätte es nie anders sein sollen.
Und vielleicht ist das das Geheimnis von uns beiden: dass wir alt genug geworden sind, um nichts Großes mehr daraus machen zu müssen. Dass wir wissen, wann Nähe genügt. Und wann sie alles ist. Später sitzen wir nebeneinander am kleinen Tisch in der Küche, beide leicht nach vorne gebeugt, die Ellbogen auf dem Tisch, irgendwo zwischen müde und glücklich.
Vor uns stehen zwei Schüsseln. Die Reste aus dem Restaurant, aufgewärmt in der Mikrowelle. Der Tofu hat ein wenig von seiner Würde verloren, ist aber immer noch besser, als ich ihn je hinbekommen würde.
Ich nehme einen Bissen.
„Danke“, sage ich, „du hast mich echt gerettet.“
Er hebt den Blick und schmunzelt. „Streng genommen habe ich dir eine Chance gestohlen.“
„Auch eine Form von Rettung.“
Wir essen eine Weile schweigend.
„Wenn deine Dates immer so enden“, sagt er schließlich, „solltest du wirklich öfter auf welche gehen.“
Ich sehe ihn an.
„Ach ja?“
„Natürlich“, sagt er und nimmt noch einen Bissen. „Nicht nur, weil ich dann gratis Essen bekomme.“
Ich lache leise.
„Großzügig von dir, das so offen zuzugeben.“
„Ich bin ehrlich“, sagt er. „Wenn ich nicht gerade vorgebe, dein Vermieter zu sein.“
„Der hatte einen schweren Abend“, erwidere ich trocken. „Schon schlimm, wenn es einen Stromausfall gibt.“
Er lehnt sich zurück und betrachtet mich einen Moment länger, als nötig wäre.
„Und du?“, fragt er.
Ich zucke mit den Schultern, nehme noch einen Bissen und kaue langsam.
„Ich auch“, sage ich. „Aber eine gute Nacht später.“
Er lächelt.
Ich auch.
Und während ich den letzten Rest Tofu von meiner Gabel nehme, denke ich kurz daran, wie ich mich an diesen Abend erinnern werde.
Wahrscheinlich als Ausnahme.
Was nicht ganz stimmt. Aber manchmal darf man sich selbst ein wenig belügen.

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