Doch nun zurück zu diesem Abend und zurück zum Vietnamesen.
Das Restaurant war angenehm beleuchtet, dieses warme, leicht gedimmte Licht, das die Haut besser aussehen lässt, als sie ist, und nicht nur Körper, sondern auch Gespräche weicher erscheinen lässt, als sie sind. Es roch nach Koriander, Limette und etwas Süßlichem, das ich nie genau benennen kann, aber immer sofort mit Fernweh verbinde.
Er war schon da, als ich kam. Pünktlich, das gefiel mir.
Er stand kurz auf, lächelte, ein wenig zu korrekt, ein wenig zu einstudiert. Seine Hände — ich achte immer auf Hände — waren gepflegt, aber unruhig.
Wir setzten uns.
Die ersten Minuten verliefen, wie sie immer verlaufen: ein vorsichtiges Abtasten, ein Austarieren des Gegenübers.
Ich bestellte ein Glas Wein. Dann begannen wir, wie bei solchen Gelegenheiten üblich, über die Speisekarte zu sprechen. Was wir bestellen würden. Und dann kam der Moment, an dem ich es eigentlich schon hätte wissen müssen.
Denn wenn ich asiatisch essen gehe, bestelle ich gerne vegetarisch. Nicht aus Überzeugung, nicht aus Moral — ich habe einfach eine gewisse Schwäche für gut gemachten Tofu. Vielleicht auch, weil ich ihn selbst nie so hinbekomme, wie ich ihn gerne hätte. Mir fehlt die Geduld. Und, wenn ich ehrlich bin, auch ein wenig das Talent.
„Ich nehme die Nudeln mit Gemüse und Tofu“, sagte ich.
Er sah auf, musterte mich kurz und lächelte dann dieses Lächeln, das Männer oft haben, wenn sie glauben, gleich etwas erklären zu dürfen.
„Also ich finde ja“, begann er, „man verpasst da wirklich was, wenn man nur Tofu nimmt und nicht Fleisch.“
Ich hätte lachen können. Oder gehen.
Stattdessen legte ich den Kopf leicht schief. „Was genau verpasse ich denn?“
„Na ja, Fleisch ist halt einfach … besser“, sagte er und lehnte sich zurück, als hätte er soeben eine These formuliert, die keiner weiteren Begründung bedurfte.
Ein Mann zu viel, einer genau richtig
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Ein Mann zu viel, einer genau richtig
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