Ein Mann zu viel, einer genau richtig

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Ein Mann zu viel, einer genau richtig

Ein Mann zu viel, einer genau richtig

Leni Trattner

Ich bin eher der Meinung, dass er es nicht verdient hat, mit etwas anderem als „der Typ“ bezeichnet zu werden.
Sein Monolog blieb gleich, aber jetzt wurde der Ton empörter. Und schärfer.
„Sie ist halt einfach rachsüchtig“, sagte er. „Und faul, wenn wir schon ehrlich sind. Die arbeitet vielleicht sechzig Prozent, wenn überhaupt.“
Ich legte den Kopf leicht schief. „Und das Kind?“
Er winkte ab.
„So viel Arbeit ist das ja auch nicht mehr.“
Interessant, dachte ich. Besonders aus dem Mund eines Mannes, der sein Kind — wie er selbst wenige Minuten zuvor erklärt hatte — hauptsächlich in den Ferien sah. Für ein paar Wochen. Und auch dann nicht durchgehend.
Ich sagte nichts. Aber ich wurde besser im Nicken. Und im Starren — wahrscheinlich fassungslos. Aber wohl gerade noch so, dass er dachte, ich wäre interessiert. Oder es war ihm egal, was es war. Er hatte ein Gegenüber gefunden, das ihm zuhörte. Das musste er nutzen.
„Und dieser Typ“, fuhr er fort, „mit dem sie zusammen ist, ihr Neuer, mit dem fährt sie dann wahrscheinlich schön auf Urlaub von meinem Geld.“
Ich nahm einen Bissen. Kaute langsam. Ich fragte mich, ob er sich selbst hörte. Wahrscheinlich nicht. Ihr „Neuer“ war wohl schon seit über zehn Jahren ihr Partner. Aber ja, sie hatte nun sicher nach zehn Jahren in einer neuen Partnerschaft beschlossen, diesen mit dem Geld ihres Expartners auf Urlaub einzuladen.
Der Wein kam. Ich war dankbar.
„Und dann letztens“, sagte er, „hat sie sich vor unserer Tochter mit ihm gestritten. Richtig laut. Hat ihn angeschrien.“
Er schüttelte den Kopf, als wäre er die einzige vernünftige Person in einem sehr schlechten Theaterstück.
„Ich habe sogar das Jugendamt eingeschaltet.“
Natürlich hatte er das.
„Und?“, fragte ich.
„Nichts“, sagte er. „Die machen ja auch nichts.“
Ein Systemversagen, offenbar.

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