Ich setzte an, etwas zu sagen. Irgendetwas, das das Gespräch vielleicht in eine Richtung lenken könnte, die nicht ausschließlich aus Bitterkeit bestand.
„Schlimm“, versuchte ich es mit Mitgefühl. „Vor allem, wenn man diese Person mal geliebt hat.“
Er sah mich an. Kurz. Direkt.
Und winkte dann ab.
„Ich habe die nie geliebt“, sagte er. „Ich war jung und dumm.“
Ich hielt seinen Blick einen Moment zu lange.
Dann lächelte ich.
Und dachte, mit einer Klarheit, die fast angenehm war: Die Dummheit scheint geblieben zu sein.
In diesem Moment wusste ich auch, was ich tun musste. Ja, ich lächelte weiterhin. Verständnisvoll. Aber ich wusste, dass ich hier wegmusste. Dass ich das nicht länger ertragen wollte.
„Entschuldige mich kurz“, sagte ich.
Er nickte. Redete weiter, als ich aufstand, und stoppte erst, als ich wirklich ging.
Es war wohl das erste Mal, dass ich froh war, dass die Toilette am anderen Ende des Restaurants lag und man eine gefühlte Ewigkeit brauchte, um dorthin zu gelangen. Doch es gab mir genug Zeit, mich wieder zu fangen. Als ich sie betrat und in den Spiegel blickte, sah ich es: Da war sie wieder, diese Version von mir, die etwas zu aufmerksamen Augen, den Hauch von Ungeduld und das feine Lächeln, das sich immer auf meinem Gesicht zeigt, wenn ich mit mir wieder im Reinen bin.
Ich zog mein Handy aus der Tasche.
Du musst mich hier rausholen.
Die Antwort kam schneller, als ich erwartet hatte.
Wie schlimm ist es?
Er redet seit dreißig Minuten über seine Ex und hat noch Luft nach oben.
Verstanden. Gib mir fünf Minuten.
Ich steckte das Handy weg und atmete einmal ruhig ein.
Fünf Minuten. Das würde ich schaffen.
Als ich zurückkam, hatte sich nichts verändert. Er war mitten in einem Satz, den er offenbar schon beim fernen Anblick meiner Person begonnen hatte.
Ich setzte mich, griff nach meinem Glas und trank weiter.
Ein Mann zu viel, einer genau richtig
11 13-20 Minuten 0 Kommentare
Ein Mann zu viel, einer genau richtig
Zugriffe gesamt: 668
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.