Ein Piepmatz zum Verlieben

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Ein Piepmatz zum Verlieben

Ein Piepmatz zum Verlieben

Sven Solge

Wenn der Vogel Hunger hätte, würde er vielleicht von allein in den Käfig fliegen.
Ich stellte den Käfig auf meinen Küchentisch, wobei ich mich ganz langsam bewegte und den Vogel im Auge behielt. Der hatte sich mittlerweile auf die Gardinenstange gesetzt und schaute nun von oben aufmerksam zu, was ich machte.
Ich öffnete die kleine Klappe am Käfig, die wohl dazu diente, dem Meerschweinchen Futter rein zu reichen. Dann holte ich noch eine Untertasse aus dem Schrank und stellte sie im Käfig auf den Boden und streute etwas Vogelfutter drauf.
Während der ganzen Zeit sprach ich mit dem Vogel, nannte ihn „Buttsche“, weil mir kein anderer Name einfiel und zeigte auf das Futter.
Gerade wollte ich die Küche verlassen, als mir einfiel, dass Buttsche eventuell auch Durst hatte. Eine flache Dessertschale schien mir geeignet, leider passte sie nur durch die Klappe, wenn ich sie schräg hielt, das ging natürlich nur ohne Wasser. Doch nachdem ich die Schale auch auf dem Boden des Käfigs aufgestellt und mit einem Wasserglas etwas Wasser hineingeschüttet hatte, zog ich mich zurück, ließ aber die Tür einen Spalt offen, sodass ich gerade noch den Käfig sehen konnte.
Ich wurde auf eine harte Probe gestellt. Buttsche hockte weiterhin auf der Gardinenstange, nur ab und zu gab er einen leisen Piepton von sich.
Ich dachte mir, er braucht mehr Ruhe in der für ihn fremden Umgebung und zog mich auf meinen Balkon zurück und vertiefte mich in meinen Roman auf dem E-Reader.
Der Roman fesselte mich, sodass ich mich erst nach einer knappen Stunde an meinen Gast erinnerte.
Vorsichtig schaute ich durch den Spalt an der Küchentür und sah zu meiner Überraschung Buttsche im Käfig, wie er fröhlich futterte.
Ganz langsam und möglichst geräuschlos schob ich die Küchentür auf und näherte mich dem Käfig.

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