"Was für Beine!", sagte er. Was im Grunde ein plumpes Kompliment ist, erregte mich ungemein. Martin Jeanrenauds Stimme war heiser. Und ich war spitz wie das Schwert eines Schwertfischs.
Nils war gerade in der Küche damit beschäftigt, eine Melonen-Bowle mit Prosecco anzureichern. Ich öffnete meine Schenkel. Martin Jeanrenaud kannte sich aus mit der Körpersprache von Frauen. Oft sassen sie wohl in seiner Praxis, die Arme vor der Brust verschränkt, und erzählten ihm von ihren gesundheitlichen und partnerschaftlichen Sorgen. Andere wiederum hockten keck und freimütig da, mit weitem Ausschnitt und Lippen, denen man sofort ansah, dass sie jedem beliebigen Männerschwanz und allem, was daran hing, Freude spenden konnten.
Martin Jeanrenaud und ich hatten noch nie Sex gehabt zusammen. Aber wir waren schon oft nahe dran gewesen an der Vereinigung zwischen Mann und Frau. Zudem hatte ich nie den Eindruck gewonnen, dass Nils uns aktiv gehindert hätte, wenn wir "es" hätten tun wollen.
Wir, der Martin und ich, schienen zu ahnen, dass der Moment schon noch kommen würde. Gewissen Dingen musste man einfach Zeit lassen.
"Ich muss kurz pinkeln", sagte ich leichthin, stand auf, ging ins Bad, zog mein Höschen aus und erfrischte mich unter der Dusche, wohl wissend, dass irgend eine Kamera alles festhielt. Mir war das mittlerweile egal. Im Internet tummeln sich heutzutage derart viele nackte Frauen, dass ich in der Menge bestimmt untergehen würde, sollten Aufnahmen von mir je ins Netz gelangen.
Selbst die intimsten Filmchen, die mich möglicherweise beim Pinkeln von unten zeigen, sind für mich kein Problem, seit ich weiss, dass Millionen von "toilet cam movies" den Verstand von Milliarden von Männern blockieren. Der kulturelle Höhepunkt in aktuellen Millennium ist also die nichts ahnende, pinkelnde Frau. Sei's drum.
Ich ging zurück auf die Terrasse. Der Marmorboden nahm sich im fahlen Mondlicht geradezu mystisch aus.
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