„Nils!“, herrschte ich ihn an. „Lass sie doch einfach! Komm Mittagessen!“ Nils zuckte zusammen, sammelte sich aber sofort wieder und grinste, ohne das geringste schlechte Gewissen oder das Gefühl, ertappt worden zu sein. Jedenfalls war ihm nichts anzumerken. „Hübsch“, sagte er nur. „Sehr hübsch.“ Ich war mich derlei gewohnt und überging seine Bemerkung.
Behände kletterte Dea von der Leiter herunter und schloss sich uns an. „Lunchtime beautiful“, sagte sie. „You beautiful too“, konterte Nils auf wirklich idiotische Art. Er konnte perfekt Englisch und machte sich über Deas Sprachdefizit lustig.
Das war die erste Begegnung zwischen Nils und Dea. Ein kleines Flämmchen war gesetzt, auch von ihrer Seite, und ich ahnte noch nicht, was für ein Flächenbrand folgen sollte – ein Brand, der mich meine geliebte Bibliothekarinnenstelle kosten sollte.
Begeben sich zwei Frauen, gemeinsam mit einem Mann, zum Lunch, sind immer Friktionen mit im Spiel. Man kann sie verdrängen oder zulassen – aber eine latente Konkurrenz lässt sich nicht vermeiden. Dea sah verdammt gut aus. Soeben war sie beim Friseur gewesen, und ihr glänzendes tiefschwarzes Haar war durch nichts zu übertreffen – auch ihre kurvige Figur nicht. Deas Kleidchen war ein Hauch von nichts, was zur Athener Hitze durchaus passte. Auch ich hatte wenig am Leib, war aber mit T-Shirt und bunten Baumwollshorts wesentlich praktischer gekleidet.
Und dann das! Es war kein Zufall, dass Nils, dieser Lustbock, sich am Souvlakistand von hinten an Dea drängte. Wir standen in einer Schlange,da war nicht viel Platz. Und doch war es auffällig, wie er seine Hüften an Deas Hintern drängte, oder, anders rum gesagt: Deas Po schmiegte sich an Nils‘ Hüfte. Es war dieser kleine, geile Moment, der das darauf Folgende auslöste und verstärkte.
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