Dafür müssten Sie jetzt deutlich mehr Zeit in Ihre Arbeiten investieren. Ich habe sogar gehört, dass bei weiterem Absinken Ihrer Leistungen Ihr Schulabschluss gefährdet sein könnte.“
Er lehnte sich zurück, seine Stimme blieb ernst, aber nicht unfreundlich. „Ich weiß, wie viel Ihnen Ihre Reitkarriere bedeutet, und ich gratuliere Ihnen nachträglich zu Ihrem erneuten Titelgewinn. Aber vergessen Sie darüber nicht Ihren Abschluss hier. Ihr Privatleben geht mich eigentlich nichts an. Doch wenn Sie Probleme haben, können Sie jederzeit zu mir kommen. Wenn ich Ihnen helfen kann, lassen Sie es mich wissen.“
Er machte eine kurze Pause und sah Sophie aufmerksam an. Nervös begann sie, an ihren Fingern zu spielen.
„Wie weit sind Sie mit der Planung und Organisation der Abschlussparty und Ihrer Abschlussrede, die Sie halten wollten?“, fragte er schließlich.
„Dazu bin ich leider noch nicht gekommen“, antwortete sie leise.
Er betrachtete sie erneut, seine Finger tippten unruhig aufeinander. „Gibt es etwas, das es Ihnen schwer macht, sich wie früher auf die Schule zu konzentrieren? Sind die Turniere zu viel für Sie?“
In Sophies Gedanken wirbelte ein Sturm aus Zweifeln und Erinnerungen. Die Turniere – das war nie ihr Problem gewesen. Früher hatte sie alles mühelos unter einen Hut bekommen. Doch seit Thomas, ihr alter Trainer und einstiger Vertrauter, nicht mehr da war, hatte sich etwas verändert. Sie hatte begonnen, an Partys und Trinkgelagen vor und nach dem Training teilzunehmen. In letzter Zeit griff sie auch hin und wieder zum Gras und kiffte ab und zu. Das waren die wahren Probleme, die sie quälten – aber dem Direktor konnte sie das unmöglich anvertrauen.
„Nein, der Sport belastet mich nicht“, sagte sie kühl. „Es sind private Probleme, deshalb ist es gerade etwas stressig.“
Ein Vierer der Ekstase
Sophie von Wolfenstein - Teil 3
30 23-35 Minuten 0 Kommentare
Ein Vierer der Ekstase
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