Ein wohlgestaltetes Dienstmädchen

TIMEA – Die Abenteuer einer geraubten Prinzessin - 2. Teil

27 5-9 Minuten 0 Kommentare
Ein wohlgestaltetes Dienstmädchen

Ein wohlgestaltetes Dienstmädchen

Peter Hu

Marie sann also auf Hilfe. Und sie wusste, wo eine Hexe zu finden war. Zwar fürchtete sie sich schrecklich; ...denn es gab im ganzen Märchenreich nicht eine Hexe, auf die wirklich Verlass war. Doch die treue, tapfere Magd wollte ihre Herrin keinesfalls im Stich lassen.
Marie hatte einmal eine kurze, aber heftige Affäre mit einem durchreisenden Helden gehabt. Und der hatte ihr, in einem schwachen Moment zwischen ihren heißen Schenkeln, ein Geheimnis verraten: Alle vernünftigen Helden haben Angst. Der Trick beim Heldentum bestand nur darin, die Angst einen Augenblick länger heraus zu zögern, als es gewöhnliche Leute tun, bevor sie weglaufen. ...Danach bleibt dir nichts anderes übrig, als die Sache tapfer durchzustehen, oder vom Drachen gefressen zu werden.
...Oder laufe rechtzeitig weg, achte aber darauf, dass dich niemand dabei sieht, und denke dir eine gute, schlüssige Geschichte aus, die keiner nachprüfen kann. Den Rest erledigen Geschichtenerzähler, fahrende Sänger und die Fantasie der Zuhörer.

O ja, ...Marie hatte das Zeug zur Heldin. Sie hatte Angst, ...und das war auch gut so. Dennoch packte sie ihre sieben Sachen ein und begab sich zum nächsten Priester; ...nicht etwa, um ihre Beichte abzulegen oder sich vorsorglich die letzte Ölung zu abzuholen, wie jetzt manch ein einfach gestrickter Bauerntölpel vermuten mochte.
Die Sache war viel einfacher gelagert. Und zwar in einem gemütlichen Heuhaufen in der Scheune zur gefallenen Jungfrau. Marie wollte mit einem guten Gefühl in die Schlacht ziehen.

Nachdem Marie sich innig von ihrer Herrin verabschiedet hatte, begab sie sich, begleitet von zwei Palastwachen, auf die Reise ins Reich der großen Hexe Orga; von der die Legende zu berichten wusste, dass sie den Stein der Weisen gefunden hatte. Damit ging allumfassendes Wissen und das ewige Leben einher.
Die lange Reise verlief ohne Zwischenfälle. Ja sie gestaltete sich beinahe schon langweilig, da es im ganzen Königreich niemand wagte, den königlichen Wachen gegenüber dreist zu werden. So gelangte die kleine Reisegesellschaft, ohne jede Changse auf Heldentum, an den Rand des Hexenwaldes. Hier endete jedes Königs Macht.
An dieser unsichtbaren Grenze aber, schwand plötzlich der Mut der tapferen Königsgardisten. Marie konnte sie auch mit den aufreizendsten Versprechungen nicht dazu bewegen, sie nur noch einen einzigen Schritt weiter zu begleiten. Und das will bei Maries Verführungsgeschick schon etwas heißen...

Klicke auf das Herz, wenn
Dir die Geschichte gefällt
Zugriffe gesamt: 7817

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.

Gedichte auf den Leib geschrieben