Er wurde mystisch, dunkel und leidenschaftlich. Seine Metamorphose begann meist, wenn er mich in den Arm nahm und mir seinen Atem in den Nacken blies, mir seine dunkle Stimme beschwörende Schwüre zuflüsterte und mich sein Körper aufnahm, als wäre ich mit ihm eins.
Mein Nachbar, Serge, der Musiker ist natürlich genau das Gegenteil von Emile und doch verstehen sie sich. Serge ist für Emile ein Teil meiner Sexualität und beflügelt ihn. Wenn sie sich bei mir begegnen, wartet Emile meist ab, wie weit sich Serge mit mir bereits verbunden hat. Serge unterwirft sich ihm größtenteils, wird mir gegenüber immer inniger und zärtlicher und genießt es, wenn wir in einem gemeinsamen Orgasmus langsam vergehen und Emile an meinen Zehen dabei leckt, oder in meine Brustknospen beißt und ich letztendlich aufheule.
Wenn sich Serge dann von mir löst und leise wieder in sein Appartement über den Balkon hinübergeht, nimmt mich Emile in seine eisernen Arme, hebt mich an und stößt in mich. Da kann man dann manches Mal hören, wie Serge nebenan in die Tasten des Pianos eine seiner Symphonien hämmert, vorwiegend ist das die Pathetique von Beethoven! Er erlebt es mit.
Emile und ich erheben uns wieder, er wird wieder zum Vogelmann und trägt mich über die Atacama-Wüste, surft auf den Wellen meiner Lust und lenkt meine Schreie.
Irgendwann dann, im Laufe der Nacht, verlässt mich Emile wie ein Schatten und ich wache am Morgen mit einem dumpfen Gefühl auf. Vollkommen erschöpft und ausgelaugt, grabe mein Gesicht in das Kissen und wünsche mir seine Kraft und Mystik zurück.
Ich sitze im Flieger nach New York und studiere meine Unterlagen. Bill wird zufrieden sein, mein Bericht über Peru ist umfangreicher geworden, als ich eigentlich wollte und ich habe sehr wichtige und interessante Details ausführen können. Es ist seltsam: Seit ich Paris verlassen habe, bin ich wieder mehr ICH geworden, diese mystische Stimmung, dieses Netz von nicht definierbaren Gefühlen ist von mir abgefallen und die Wirklichkeit hat mich wieder. Ich habe auch mehr Distanz zu Peru gefunden und das Land erscheint mir nicht mehr so geheimnisvoll, wie ich es noch vor zwei Wochen empfunden habe.
Emile, Lisa und Eve hatten es sich nicht nehmen lassen, mich zum Flughafen zu begleiten und mich feierlich zu verabschieden. Was gänzlich sinnlos war, da ich ja in höchstens zwei Wochen wieder zurück sein werde. Lisa und Eve schnatterten ganz unbeschwert über alles Mögliche, Lisa übergab mir eine Liste von Dingen, die ich aus New York mitbringen sollte, darunter eine Seidenbluse von Jones und noch so allerlei Krims-Krams. Emile lächelte schüchtern und verloren, wie immer. Niemand hätte ahnen können, welche dunklen Mächte zwischen uns walten, was in diesem Mann schlummert und ausbricht wie ein Vulkan, wenn der richtige Moment gekommen ist! Eve scheuchte ihn hin und her und er kam ihren Wünschen geflissentlich nach. Oh, welche Verschwendung!
Eine dunkle Macht
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