Es drängt mich, meine Erlebnisse mit irgendjemandem zu teilen. Doch weder Lisa, noch Eve sind für so mystische, sinnliche Empfindungen sehr empfänglich, sie lächeln höchstens mitleidig.
Die Blüte aus dem Vulkan ist längst verwelkt und ruht, gut gepresst in meinem Reiseführer über Peru, im Regal. Nur die Feder vom Vogelmann liegt schwarz und geheimnisumwittert daneben.
„Na, wieder da?“, Emiles Stimme kommt wie immer, tief und kehlig aus dem Hörer.
Sollte ich mich fallen lassen, mich in die starken, eisernen Arme von Emil flüchten und versuchen, dort die Mystik suchen, die sich plötzlich in meiner Welt eingenistet hat? Ich versuche, mir Emile in der Rolle des Vogelmannes vorzustellen und irgendwie gelingt mir das auch. Vielleicht, weil ich es möchte?
„Emile, ja, bin körperlich wieder da. Emotionell aber noch in Peru! Die Berggeister, das glühende Magma und die etwas vergiftete Luft durch ihre Gase spüre ich noch in allen Gliedmaßen. Aber ja, es wäre schön, mich mit Dir fallen zu lassen!“
„Ich hole Dich ab, wir fahren raus zum See, machen Feuer am Ufer und schauen der Sonne zu, wie sie hinter den Hügeln versinkt! Ich hole Dich am späten Nachmittag ab, Du brauchst nichts mitzunehmen., alles da! Will nur, dass Du Dein weites, dünnes Kleid mit den Flatterärmeln trägst, ich liebe es, wenn sich das Orange mit Deiner Haut vermengt, Du schaust dann immer aus, als würdest Du brennen!“
Emile war es wieder gelungen, dieses kleine, immer glosende Feuer in mir zu einem Flächenbrand zu entfachen.
Eine dunkle Macht
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