Und doch… setzen gemischte Garderoben immer mal wieder auch diese gewissen Fantasiefunken frei, wenn man so affin ist wie Prof. Brenner. Natürlich hatten Chef- und Oberärzte einen abgetrennten Bereich zur Verfügung, wo sie sich umziehen konnten. Aber Brenner hatte sich seinen Spind in der gemischten Garderobe eingerichtet, und niemand fragte nach. Das Personal war knapp und viel zu beschäftigt, um sich für Anna im BH zu interessieren.
Dann gab es da diese Nominierungen. Es handelte sich um einen traditionsreichen Event, der jedes Jahr in der Festhalle stattfand. Gekürt wurde die aktuell bemerkenswerteste Persönlichkeit in unterschiedlichen Kategorien, etwa im Verkehrswesen, der Politik und eben auch dem Gesundheitswesen. Und Prof. Brenner ad personam hatte Pat nominiert. Es war ihm nicht schwergefallen, die junge Frau zu qualifizieren. Erstens war das seinem Status geschuldet – Prof. Brenner war ein weitherum bekannter, auf den Pankreas spezialisierter Chirurg. Also hörte man auf ihn, wenn er die herausragenden Fähigkeiten von Pat würdigte. Sie war nicht nur ausserordentlich klug und wissbegierig, sie hatte nicht nur handwerkliches Talent, sondern sie war bis zum Staatsexamen auch im Studierendenrat aktiv gewesen und hatte sich für bessere Berufsbedingungen eingesetzt.
Nun gehörte der 63jährige Prof. Brenner zwar zu einer Generation, die der Meinung war, jede Studentin, jeder Student müsse am Anfang untendurch, so, wie er oder sie es seiner- oder ihrerzeit auch erlebt hatte. „Per aspera ad astra“ war sein Lieblingsmotto. Die lateinische Sprache beherrschte Prof. Brenner selbstverständlich auch. „Durch Rauheit oder raue Wege zu den Sternen“. Natürlich glänzte sein Abitur auch mit einem Abschluss in Griechisch.
Eine Frau halten
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