Brenner machte sich immer mal wieder lustig über junge Ärztinnen und Ärzte, von Pflegenden ganz zu schweigen, die Wörter wie Arrhythmie nicht mehr fehlerfrei schreiben konnten. „Unordnung im Kopf“, dozierte er dann, „Unordnung im Kopf führt unweigerlich zu Chaos im Operationssaal“.
Und so kam es, dass Pat für den Platinpokal nominiert wurde, der jedes Jahr vergeben wurde. Natürlich bestand der Pokal nicht aus massivem Platin. Das Edelmetall war lediglich als hauchdünner, schimmernder Überzug zu erkennen. Der Platinpokal hatte aber für die Entgegennehmenden einen sehr starken symbolischen Wert. Dazu wurde ein Büchergutschein im Wert von 1'000.— Euro ausgehändigt, was speziell der jungen Assistenzärztin zugutekommen würde. Die anderen Kandidatinnen und Kandidaten waren zumeist ältere, graumelierte Herren, etwa der Direktor der Rettungsflugwache oder der Chef des Sanitätskorps. Zwischen ihnen würde Pat sich ausnehmen wie ein seltenes Amphib, wie ein seltener, beweglicher und interessanter, schillernder Fisch.
Dass Pat nominiert war, hatte sich in der gesamten Klinik wie ein Lauffeuer herumgesprochen. Detailverliebte Krankenschwestern, die Pat alle sehr mochten, versuchten herauszubekommen, wie Pat sich für den besagten Abend stylen würde. Bestimmt war ein Friseurbesuch angesagt, bestimmt würde Pat sich schminken lassen. Zur großen Enttäuschung von Pat, ihrer Familie, ihren Arbeitskolleginnen und Kollegen, ihren Freunden hatte aber niemand Zutritt zum in der Folgewoche geplanten Event. Nur VIP-Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft waren geladen, naturgemäß ältere Herren. Stefano, Pats Freund, spürte in sich eine leichte Eifersucht hochkommen. Seine geliebte Pat. Herausgeputzt, in einem schönen, fließenden Kleid, womöglich mit einem glitzernden Haarreif, würde die große Bühne betreten dürfen und für Wirtschaftshaie und Politkoryphäen einen Augenschmaus darstellen.
Eine Frau halten
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