Eine Frau halten

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Eine Frau halten

Eine Frau halten

Anita Isiris

Je näher der Tag heranrückte, desto schwerer tat sich Pat damit, den Schlaf zu finden. Gewohnheitsmäßig schlief sie nackt, und das frische Leintuch klebte bereits an ihrem Körper. Pat war Assistenzärztin in einer mittelgroßen Klinik, weit davon entfernt, über so etwas wie einen Namen zu verfügen, geschweige denn über einen akademischen Titel. Pat war allerdings als herausragendes Talent erkannt worden – und zwar von neidlosen ehemaligen Kommilitoninnen und Kommilitonen. Das sagt im Grunde alles, denn neidlose Kommilitoninnen und Kommilitonen sind seltener als grüne Sandkörner. Da war aber auch Prof. Brenner, Oberarzt auf der allgemein chirurgischen Station, auf der Pat im Einsatz war. Er war komplett weggerissen von der jungen Frau, und zwar nicht nur, was ihre medizinischen Fähigkeiten betraf, sei es, was ihr umfassendes Wissen, sei es, was ihr manuelles Geschick im Operationssaal anging. Pat war auch bildhübsch mit ihren schwarzen Locken, den leuchtend dunklen Augen, ihrer filigranen Figur und den etwas zu großen Brüsten. Jedes Mal, wenn Brenner Pat in der Kantine erblickte, auf ihr Menü wartend, lief ihm das Wasser im Mund zusammen. Irgendwie würde er sie drankriegen, diese Pat.
Natürlich war Prof. Brenner viel zu intelligent, um Entgleisungen während der Arbeit zuzulassen. Ein ungeschicktes Hereinplatzen in die Damenumkleide und was der Dinge mehr sind.
Die geschlechtergetrennten Garderoben waren nach hitzigen Debatten in der Geschäftsleitung vor einer Woche ohnehin aufgehoben worden. Unisex war angesagt, bis hin zur letzten Konsequenz, bis hin zu den Toiletten, und eben auch bis hin zu den Umkleiden. Viel gab es da eigentlich nie zu sehen. Was ist denn schon dabei, wenn Schwester Luise und Jan, der Physiotherapeut, sich aus ihrer Jeans aalen und sich den Kasak überziehen?

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