Eine Hand im Dunkeln

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Eine Hand im Dunkeln

Eine Hand im Dunkeln

Chloé d'Aubigné

Mit jedem Schluck war ihr wärmer geworden. Und mit jedem Schluck war auch ihre Entschlossenheit gewachsen.
Schon lange trug sie diese eine Fantasie mit sich herum. Sie verschwand nicht, ganz gleich, ob sie sie zu ignorieren versuchte oder in Gedanken immer wieder durchspielte. Sie saß in einem Kinosaal. Eine Hand legte sich auf ihren Unterarm und ging dann langsam auf Wanderschaft, erkundete ihren Körper. Kein Gesicht. Kein Name. Nur Berührung.
Schließlich hatte sie kurz und sachlich formuliert, was sie wollte, und die Anzeige veröffentlicht, bevor sie es sich anders überlegen konnte.
Die Plattform hatte ihr eine Freundin empfohlen, mit dem Hinweis, dort finde man einfach alles. Alles, was man suche. Und alles, von dem man noch gar nicht wisse, dass man es suchen könnte.
Dieser Freundin hatte sie am nächsten Tag von der Anzeige erzählt. Sie versuchte, es beiläufig klingen zu lassen, als wäre es bloß ein Gedankenspiel, das sie ein wenig weitergespielt hatte.
»Ich habe die Anzeige geschrieben«, sagte sie. »Und aufgegeben. Fürs Kino.«
»Fürs Kino?« Die Freundin sah sie an, als müsste sie die Worte erst sortieren.
»Ja. Ich will … ich will das da machen. Was ich dir einmal erzählt habe.«
Die Freundin schwieg einen Moment. »Das ist spannend«, sagte sie schließlich. »Und willst du wirklich hingehen?«
»Vielleicht. Es kommt auf die Antworten an.«
Die Freundin nickte, ohne etwas zu sagen. Aber in ihren Augen lag etwas, das sie nicht deuten konnte. Neugier? Sorge? Oder etwas anderes?
Zwei Tage lang geschah nichts. Keine Nachricht. Keine Antwort. Sie begann zu denken, dass es vielleicht besser so war. Dass manche Fantasien besser Fantasien blieben, unverwirklicht und sicher in ihrem Kopf.
Dann, am dritten Abend, kam eine Nachricht. Kurz. Ohne Umschweife.
»Ich will deine Fantasie erfüllen.

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