Eine Hand im Dunkeln

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Eine Hand im Dunkeln

Eine Hand im Dunkeln

Chloé d'Aubigné

Keine Gegenleistung erforderlich. Schick mir Zeit und Ort.«
Kein Name. Kein Foto. Kein Versuch, mehr über sie zu erfahren. Nur diese Zeilen. Und doch erinnerte sie etwas an diesen Ton: die knappe Formulierung, das Fehlen von Floskeln, die direkte Klarheit. So schrieb ihre Freundin manchmal, wenn sie wenig Zeit hatte.
Sie antwortete nicht sofort. Sie starrte auf den Bildschirm und fragte sich, ob es wirklich ihre Freundin war.
Nach einer Weile fragte sie sich, ob sie es überhaupt wissen wollte. Ob es einen Unterschied machte.
Schließlich schrieb sie zurück. Die Einzelheiten. Den Saal. Die Reihe. Den Platz. Die Regeln.
Die andere Person antwortete rasch:
»Meine Regeln sind einfach: Du darfst mich nicht sehen. Nicht vorher. Nicht nachher. Nur fühlen.«
Mehr nicht. Keine ausdrückliche Bestätigung, dass sie kommen würde. Aber die war auch nicht nötig. Das versuchte sie sich zumindest einzureden.
Seitdem dachte sie an nichts anderes mehr. An den Saal. Die Dunkelheit. Die Hand, die sich auf ihren Unterarm legen würde. An die Möglichkeit, dass es ihre Freundin war. Dass es jemand anderes war. Dass niemand erscheinen würde.
Gerade diese letzte Möglichkeit schien nun Wirklichkeit zu werden. Der Film lief schon seit einer Viertelstunde, und der Platz neben ihr war immer noch leer. Da hörte sie, wie sich die Saaltür öffnete. Jemand trat ein und ging in die letzte Reihe.
Da war also jemand. Hier im Dunkeln. Neben ihr. So, wie sie es sich vorgestellt hatte.
Sie hielt den Atem an, ohne es zu merken, und starrte auf die Leinwand. Die Bilder schienen keinen Zusammenhang mehr zu haben.
Ihre Augen blieben nach vorn gerichtet, doch alle anderen Sinne waren auf den Platz neben ihr konzentriert. Sie hörte, wie sich jemand setzte. Der Stoff fremder Kleidung streifte ihren Ärmel, und schon diese flüchtige Berührung ließ sie scharf Luft holen.

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