Eine Hand im Dunkeln

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Eine Hand im Dunkeln

Eine Hand im Dunkeln

Chloé d'Aubigné

Bildete sie es sich ein, oder war da plötzlich Wärme? Und ein Duft. Sie konnte nicht sagen, ob er von einer Frau oder einem Mann stammte. Das Parfum kannte sie nicht.
Alles in ihr drängte sie, die Augen ein wenig zur Seite wandern zu lassen. Aber sie durfte nicht. Das war die Abmachung. Und eigentlich wollte sie es auch nicht. Ein Blick würde die Fantasie zerstören.
Ohnehin hatte das Wenige, was sie aus dem Augenwinkel wahrgenommen hatte, kaum etwas verraten. Die Person trug schwarze, weite Kleidung, einen Mantel oder eine Jacke und dazu eine Kappe. Die Kleidung schien den Körper eher zu verbergen als ihn zu umhüllen.
Sie versuchte, sich wieder auf den Film zu konzentrieren. Vielleicht war die Person neben ihr einfach ein gewöhnlicher Kinogast. Vielleicht war es gar nicht ihre Verabredung. Doch während sie sich das einredete, war ihr Körper längst bereit.
Jede Faser war angespannt, jedes Nervenende wach. Sie spürte die andere Person nur wenige Zentimeter entfernt.
Dann, ganz langsam, eine Bewegung.
Die Hand legte sich nicht sofort auf ihren Arm. Zuerst strich sie über den Stoff ihres Ärmels. Dann ruhte sie sanft auf ihrem Unterarm, leicht und fast fragend, als gäbe sie ihr Gelegenheit, sich zurückzuziehen.
Sie tat es nicht. Sie atmete nur tiefer und starrte auf die Leinwand, wo sich gerade zwei Schauspieler gegenüberstanden und Worte austauschten, die sie nicht verstand.
Die Hand blieb liegen. Sie war nicht schwer, aber warm. Die Finger fühlten sich zart an.
Obwohl die Berührung so sanft war, empfand sie sie als intensiv. Ihre Haut schien unter der Handfläche wärmer und empfindlicher zu werden. Ihr Puls beschleunigte sich. Ob die unbekannte Person es spürte? Ob sie verstand, was es bedeutete – all das, was sie in diesem Moment nicht sagen wollte?
Sie versuchte, ruhig und gleichmäßig zu atmen.

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