Eine Hand im Dunkeln

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Eine Hand im Dunkeln

Eine Hand im Dunkeln

Chloé d'Aubigné

Sie presste die Lippen zusammen und unterdrückte das Geräusch, das in ihrer Kehle aufstieg.
Die Finger bewegten sich. Langsam. Kreisend. Mit wachsendem Druck. Jede Bewegung ein wenig mutiger, ein wenig gezielter, als wüsste die Hand genau, was sie tat. Und was sie wollte.
Sie versuchte, sich abzulenken. Wenn die Hand so weitermachte, würde sie schnell kommen, und das wollte sie noch nicht. Sie wollte diesen Moment länger auskosten. Aber es gelang ihr nicht. Sie sah Bilder, hörte Stimmen, doch alles verschwamm zu Farben und Rauschen. Nur die Berührung war wichtig. Nur das Fühlen.
Die Finger wurden fordernder und fanden einen Rhythmus, der genau richtig war. Nicht zu schnell. Nicht zu langsam.
Ihr Atem ging flacher. Schneller. Ihre Hüften bewegten sich unwillkürlich, kaum merklich. Sie drängte sich den Fingern entgegen. Die erwiderten den Druck, ohne den Rhythmus zu verlieren.
Auf der Leinwand explodierte etwas. Stimmen wurden laut, Musik schwoll an, dramatisch und übertrieben.
Niemand hörte ihr leises Stöhnen.
Niemand sah, wie sich ihre Finger in den Sitz krallten. Wie sich ihr Rücken durchbog.
Sie hatte die anderen Menschen im Saal längst vergessen. Es gab nur noch diese Hand. Sie machte weiter, beharrlich, beinahe unbarmherzig. Und es war besser, als sie es sich je vorgestellt hatte.
Jede Bewegung traf genau die richtige Stelle. Fast schien es, als spüre die andere Person, wie sie sie in diesem Moment berühren musste.
Sie versuchte, die Augen offen zu halten und auf die Leinwand zu sehen. Die Figuren stritten, schrien, umarmten sich. Doch es gelang ihr nicht mehr, ihnen zu folgen.
Ihr Atem kam in kurzen, flachen Stößen. Sie presste die Lippen zusammen, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Trotzdem entwich ihr ein unterdrücktes Keuchen, kaum lauter als das Rascheln einer Popcorntüte.

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