Eine Hand im Dunkeln

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Eine Hand im Dunkeln

Eine Hand im Dunkeln

Chloé d'Aubigné

Es ging in der Filmmusik unter. Die Person neben ihr schien es dennoch zu hören. Die Finger verstärkten den Druck und beschleunigten ihren Rhythmus.
Sie spürte, dass sie es nicht mehr zurückhalten konnte. Nicht mehr lange.
Ihre Finger krallten sich fester in den Sitz. Sie wollte sich an irgendetwas festhalten, wagte aber nicht, die andere Person zu berühren. In Gedanken tat sie es. Sie hielt sie fest. Und mit diesem Bild kam sie.
Der Orgasmus kam nicht wie eine Welle. Eher war es, als bräche etwas in ihr auf und ströme dann durch ihren ganzen Körper.
Sie schloss die Augen. Ob das gegen die Abmachung verstieß, war ihr plötzlich gleichgültig. Sie legte den Kopf in den Nacken und gab sich dem Gefühl hin. Für einen Moment gab es keinen Film, kein Kino. Nur das Beben in ihr. Das Loslassen. Etwas so Schönes, dass sie sich fragte, ob sie es je wieder erleben würde.
Die Finger hielten nicht sofort inne. Sie berührten sie weiter, und sie ließ es zu, bis sie das Gefühl für die Zeit verlor. Erst als sie sich leicht von der Hand wegbewegte, wurde deren Druck sanfter. Langsamer strichen die Finger noch einmal über die Innenseite ihres Schenkels, dann löste sich die Hand von ihr.
Sie atmete noch schwer, als sie die Augen öffnete. Der Film lief weiter. Sie wusste nicht, an welcher Stelle der Handlung sie waren, und versuchte auch nicht mehr, es herauszufinden.
Der Platz neben ihr war leer. Sie spürte keine Wärme mehr, hörte kein Rascheln von Stoff. Nur ein Hauch des fremden Dufts hing noch in der Luft. Trotzdem drehte sie den Kopf nicht. Sie hatten vereinbart, dass sie die Person auch danach nicht ansehen würde, und daran hielt sie sich bis zum Ende des Films.
Erst als das Licht anging, blickte sie auf den Platz neben sich – aber es gab keinen Hinweis darauf, wer hier gesessen haben könnte.
Sie blieb noch einen Moment sitzen und spürte dem nach, was sie erlebt hatte. An jede Berührung konnte sie sich erinnern. Das Pochen zwischen ihren Beinen ließ nur langsam nach.
Dann stand sie auf, vorsichtig, als müsste sie sich erst wieder daran gewöhnen, sich ganz gewöhnlich zu bewegen. Sie nahm ihre Tasche und zog den Mantel enger um sich. Im Foyer war das Licht zu hell, der Geruch des Reinigungsmittels zu stark. Der junge Mann hinter der Kasse starrte noch immer gelangweilt vor sich hin.
Draußen war die Nacht kalt. Die Straßen waren noch nass vom Regen, die Laternen warfen lange Schatten auf den Asphalt.
Sie atmete die kühle Luft ein. Niemand hier wusste, was sie eben erlebt hatte.
Aber ihre Fantasie war wahr geworden.
Drei Tage später traf sie ihre Freundin wieder. Sie sprachen über die Arbeit, über ihren Tag und schließlich über einen Film, den die Freundin gesehen hatte.
»Aber er war eindeutig nicht so gut wie der Film, den du gesehen hast«, meinte sie beiläufig.
Sie sah ihr in die Augen. Nur einen Moment. In ihrem Blick lag kein Triumph, nur ein leises Lächeln.
Sie lächelte zurück und sagte nichts. Stattdessen sprachen sie weiter, über das Wetter und alles Mögliche.
Doch zwischen ihnen war etwas, das sie teilten, ohne es auszusprechen.
Vielleicht war gerade das der schönste Teil daran.

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