Eine Hand im Dunkeln

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Eine Hand im Dunkeln

Eine Hand im Dunkeln

Chloé d'Aubigné

Der Regen hatte vor einer Stunde aufgehört, aber die Straßen glänzten noch feucht. Sie zog den Mantel enger um sich, als könnte das die Kälte fernhalten. Als sie das Foyer betrat, genoss sie es, endlich wieder im Warmen zu sein. Die Luft roch nach altem Popcorn, Staub und dem zitronigen Reinigungsmittel, das den Geruch all der Menschen, die hier gewesen waren, doch nicht ganz verdrängen konnte.
An der Kasse gähnte der junge Mann hinter dem Glas, ohne die Hand vor den Mund zu halten.
»Was darf's sein?«, fragte er.
»Eine Karte. Für Saal drei.«
Er tippte etwas in den Computer, ohne aufzublicken. »Der läuft schon seit Wochen. Heute ist die letzte Vorstellung.«
»Ja, ich weiß.« Ihre Stimme klang ruhiger, als sie sich fühlte.
Sie bezahlte und nahm das Ticket. Auf dem kleinen Zettel stand der Filmtitel in einer Schrift, die wohl schon in den Siebzigerjahren altmodisch gewesen war. Es war ein Film, den kaum noch jemand sehen wollte. Wer sich für ihn interessiert hatte, hatte ihn längst gesehen. Er lief nur noch in diesem kleinen Saal. Genau deshalb war er richtig für sie.
Der Gang dorthin war schmal und dunkel, die Wände mit abgenutzten Filmpostern tapeziert, deren Farben längst verblichen waren. Sie hörte ihre Schritte, das leise Knarren ihrer Stiefel auf dem Linoleum. Mit jedem Schritt wurde ihr deutlicher, warum sie hier war. Nicht wegen des Films. Nicht wegen der Kunst. Sondern wegen dessen, was währenddessen geschehen könnte. Und hoffentlich geschehen würde.
Oder machte sie sich zu große Hoffnungen? War das alles nur eine Illusion? Bald würde sie es herausfinden.
Im Saal schimmerte nur das Licht über dem Notausgang. Die Sitze waren alt und mit rotem Plüsch bezogen. An manchen Stellen war der Stoff aufgerissen, sodass der gelbe Schaumstoff hervorquoll. Sie hatte einen Platz in der letzten Reihe genommen.

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