Wir stehen hinten in der Ecke der Stallung; trotzdem schaue ich mich um, ob jemand in der Nähe ist, der uns sehen könnte. Ich entdecke aber niemanden, während mein Herz plötzlich bis zum Hals schlägt und ich von einer elektrisierenden Spannung erfasst werde.
„Das liegt ganz bei Ihnen“, antworte ich, ohne zu wissen, warum. Scheinbar funktionieren meine Denkvorgänge nicht mehr ganz einwandfrei, so untervögelt, wie ich derzeit bin. „Ich habe jetzt Mittagspause und werde in mein Büro gehen. Wenn Ihnen in zehn Minuten immer noch danach ist, dann klopfen Sie einfach an meine Bürotür“, raune ich, „und wenn Sie es sich anders überlegen, bin ich natürlich auch nicht enttäuscht oder gar böse auf Sie.“
Die Reaktion von Frau von Lange abwartend – nein, ohne sie abzuwarten –, drehe ich mich um und gehe, ohne mich umzusehen, mit festen Schritten in mein Büro.
Erst als ich am Schreibtisch sitze, wird mir bewusst, was passiert ist. Scheiße, ich habe eindeutig eine Grenze weit überschritten. Kurzzeitig breitet sich Panik aus, denn ich weiß nicht, wie ich aus der Nummer wieder herauskommen soll. Mit einer Kundin etwas anfangen, das geht gar nicht; das kann zu echten Problemen führen, und nicht umsonst habe ich Rosemarie eine Standpauke gehalten. Andererseits: Der Gedanke, diese sympathische, attraktive Frau vögeln zu dürfen, lässt meinen Lümmel bereits anschwellen, zumal diese Vorstellung immer mehr Oberhand gewinnt. Dabei habe ich bisher gar nicht gewusst, wie lang zehn Minuten sein können, wenn man alle dreißig Sekunden auf die Uhr schaut.
Das heißt, eigentlich sind nur gut sechs Minuten vergangen, als es klopft. Lauter als erforderlich rufe ich „herein“, versuche dabei, meiner Stimme einen festen Klang zu geben. Vorsichtig schlüpft Frau von Lange in mein Büro, schließt die Tür sofort wieder hinter sich und bleibt etwas unentschlossen vor meinem Schreibtisch stehen.
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