Wenig später erwischt es dann auch mich, wobei ich bis heute nicht so recht weiß, wie ich da hineingeschliddert bin. Es beginnt damit, dass ich mich kurz vor meiner Mittagspause ausgiebig mit Frau von Lange unterhalte – eine der wohlhabenden Pferdebesitzerinnen. Genauer gesagt: Ihr Mann besitzt das Pferd, um das sich aber ausschließlich sie kümmert. Heute trägt unsere Kundin einen schicken Rock und eine perfekt passende Bluse, da sie nicht ausreiten, sondern auf dem Weg in die Stadt nur kurz nach ihrem Pferd sehen möchte. Frau Claudia von Lange ist gut Mitte vierzig, sehr sympathisch und immer eine Lady. Dazu ist sie wohlproportioniert, groß gewachsen, schlank, aber nicht dürr, mit knackigem Hintern und einer nicht zu großen Oberweite. Der flotte Pagenschnitt passt perfekt zu ihrem Gesicht, mit den leicht hervortretenden Wangenknochen und dem oft lächelnden Mund. Trotz ihres deutlich größeren Alters halte ich sie doch für eine aufregende Frau. Wie schon des Öfteren geht unser Gespräch in einen kleinen Flirt über.
„Hach Tom, kann ich Sie immer noch nicht zu einem kleinen, persönlichen Ausritt überreden?“, fragt sie schließlich augenzwinkernd mit einem süßen Lächeln.
„Aber Frau von Lange, wenn das Ihr Mann wüsste ...“, schüttle ich lächelnd den Kopf.
„Ach Tom“, seufzt sie, „wenn Sie wüssten, wie sehr ich vernachlässigt werde, würden Sie keine Sekunde zögern.“ Zum ersten Mal glaube ich, so etwas wie eine gewisse Traurigkeit in ihren Augen zu sehen.
Inzwischen stehe ich direkt vor ihr.
„Sie sollten nicht immer mit dem Feuer spielen“, schüttle ich den Kopf, „was ist, wenn ich eines Tages tatsächlich darauf eingehe?“
„Das wäre für mich ein wunderschöner und aufregender Tag“, bekomme ich direkt ihre Antwort. „Könnte denn heute so ein Tag sein?“, haucht sie mir fast ins Ohr.
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