Es war kurz nach Mitternacht. Das Mehrfamilienhaus, in dem Max seit ein paar Jahren wohnte, war komplett still. Max stand barfuß im Treppenhaus, nur eine dünne Jogginghose und ein altes T-Shirt am Leib, das Herz hämmerte laut in seinen Ohren. Seine Anspannung stieg ins Unermessliche.
Er hatte gewartet, bis Larissas Fenster dunkel war. Larissa – das war die neue Nachbarin, die erst vor knapp vier Monaten ins Haus eingezogen war. Sie hatte ihn sofort in ihren Bann gezogen. Offensichtlich arbeitete sie in einer Bank, einer Anwaltskanzlei oder sonst bei einem Arbeitgeber, der Wert auf förmliche, klassisch-elegante Kleidung legte. Nie verließ sie morgens ohne Rock oder Kleid, nie ohne Strumpfhose und feminines Schuhwerk das Haus. Stets war sie tadellos zurechtgemacht, das Haar adrett, die Schminke perfekt, kein Makel an ihrem Äußeren sichtbar.
Heute Nacht war es so weit. Die Mülltonnen standen im kleinen Hof hinter dem Haus, halb verborgen von einem gammeligen Metallzaun. Max drückte sich an der Wand entlang, jeder Schritt auf dem kalten Kies knirschte. Seine Hände zitterten, als er den Deckel der Tonne anhob, die Larissa gehörte – er hatte sich die Nummer gemerkt, die mit einem schwarzen Edding aufgemalt war. Der Geruch nach Kaffeesatz, alten Zeitungen und etwas Süßlichem schlug ihm entgegen. Er beugte sich tief hinein, wühlte vorsichtig, die Angst, jemand könnte plötzlich das Licht im Treppenhaus anschalten, fraß sich in seinen Magen.
Und dann, mit einem Mal, fühlten seine Finger das vertraute, hauchdünne Material. Unendlich weich und zart, ein wenig feucht. Max' Herz schlug schneller. Er war überglücklich. Seine Suche hatte endlich Erfolg, er hatte das gefunden, wonach er schon so manches Mal nachts gesucht hatte, ohne es bis jetzt zu finden. Jedes Mal bisher war er frustriert wieder ins Bett gegangen.
Eine neue Nachbarin
Max und Larissa
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