Eine nicht alltägliche Familie - Teil 51

Im Tierpark

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Eine nicht alltägliche Familie - Teil 51

Eine nicht alltägliche Familie - Teil 51

Grauhaariger

"Eine nicht alltägliche Familie“ ist die dritte Staffel der Geschichten um die Pilotin Olivia Andersson. Aufbauend auf „Eine nicht alltägliche Beziehung“ und "Eine nicht alltägliche Ehe".

Schon den ganzen Tag ging es so. Immer wieder sah Olivia ihre beiden Kinder mit Caro oder Schäni tuscheln, manchmal auch mit beiden. Das Wort „Verschwörung“ kam ihr plötzlich in den Sinn, konspiratives Verhalten von den vieren. Obwohl Clara und Leon zu Beginn der Ferien noch etwas Distanz zu den Gastgeberinnen an den Tag legten, hat sich dies in den letzten beiden Tagen sehr stark geändert. So haben sich Caro und insbesondere auch Schäni sehr um das Vertrauen der Kinder bemüht und Olivia musste sich eingestehen, dass sich diese Bemühungen sicher gelohnt hatten.
Olivia und Martin waren auf dem kurzen Weg von ihrer Ferienwohnung zum Restaurant des Golfclubs und da kamen ihnen Clara und Leon entgegen.
„Habt ihr mir irgendetwas zu sagen?“, sprach Olivia die Zwei an. Mit ganz erstaunten Minen sahen sich die beiden Kinder an.
„Nein … nichts. Oder was meinst du, Leon?“, fragte Clara ihren Bruder mit ganz harmloser Stimme.
„Nö …“, meinte der Angesprochene und schüttelte vehement den Kopf.
„Seid ihr ganz sicher?“, bohrte Olivia nochmals nach.
Leon holte schon Luft, um etwas zu sagen, als Clara ihm in die Seite knuffte und an seiner Stelle zur Antwort gab: „Nein, nein, alles in Ordnung. Wir müssen aber nochmals zu Tante Schäni“, wobei sie das Wort „Tante“ noch extra betonte. Kaum hatte Clara dies gesagt, waren die beiden auch schon wieder weg. Kopfschüttelnd schauten Olivia und Martin ihnen nach, wie sie sich wieder in Richtung „Parkforum“ davonmachten.
Die Eltern mussten sich eingestehen, dass die Gegend sehr beschaulich und ruhig war und sie hier im „Wylihof“ ihre Kinder auch mal ohne dauernde Aufsicht lassen konnten. Das „gefährlichste“ waren vielleicht noch die elektrischen Golfwagen, aber die waren zum Glück nicht so schnell …

*****

„Gleis 1 Sektoren A, B, C und D, Einfahrt des Intercity 5 nach Olten, Aarau, Zürich HB, St. Gallen, Abfahrt 8.01 Uhr. Erste Klasse in den Sektoren A und C, zweite Klasse Sektoren A, B, C und D, Restaurant Sektor B.“
„Die Eisenbahn fährt ja pünktlich“, stellte Martin fest und schaute auf die Uhr, als die Durchsage für die kommende Zugeinfahrt ertönte.
„Was glaubst denn du?“, sagte Caro zu Martin und zog fragend eine Augenbraue in die Höhe. „Wenn wir uns in der Schweiz für so viel Geld eine Eisenbahn leisten, dann kann sie wenigstens auch pünktlich sein.“
Eine Minute später fuhr ein schnittiger weißer Zug mit einer roten Front und einem anthrazitfarbenen Fensterband recht zügig in den Bahnhof ein. Die Komposition verlangsamte die Fahrt und kam schließlich zum Stillstand.
Um die Fahrt etwas angenehmer und entspannter zu gestalten, hatte Caro extra „Billette“ erster Klasse oder Tickets, wie man in Deutschland sagen würde, für den geplanten Besuch im Tierpark organisiert. Die Reise würde insgesamt eine Stunde und fünfundvierzig Minuten dauern, da dürfe man sich durchaus etwas Luxus gönnen, meinte Caro schmunzelnd.
Der Zug setzte sich pünktlich in Bewegung und beschleunigte kontinuierlich, bis die Häuser und Felder nur so an den niedrigen Fenstern vorbeiflitzten. Schon ein paar Minuten später spürten sie erneut, wie die Geschwindigkeit nochmals zunahm.
„Also im Flugzeug spürt man die Beschleunigung aber richtig … Nicht wie hier in dieser Gondel, da merkt man ja fast gar nichts!“, lästerte Olivia und schaute nochmals aus dem Fenster.
„Das hier ist schließlich ein öffentliches Verkehrsmittel und keine Achterbahn“, konterte Schäni lachend, „und, wenn man dem Zug auch so große Triebwerke wie beim Flugzeug montieren würde, dann könnte er fliegen und man müsste die Fahrgäste auch angurten. Immerhin fahren wir hier jetzt mit 200 km/h und für schweizerische Verhältnisse ist dies schnell.“
Vor den Fenstern huschte die Landschaft vorbei und manchmal wurde es draußen dunkel, wenn der Zug gerade durch einen Tunnel fuhr. Gerade einmal 18 Minuten später waren sie in Olten, wo sie für den weiteren Verlauf der Reise in einen anderen Zug umsteigen mussten.
Von Olten ging die Fahrt weiter mit dem „Gotthard Panorama Express“, welcher in der ersten Klasse einen „Panoramawagen“ mit sehr großen Fenstern mitführte. Sehr schnell hatte sich eine Sitzaufteilung ergeben, wollten die Kinder doch im „Zweier“ Abteil ohne die Erwachsenen sitzen, welche somit das „Vierer“ Abteil belegten. Durch die großen Fenster war die Sicht noch viel besser als im anderen Zug und Clara und Leon konnten viel Interessantes entdecken. Beim nächsten Halt in Luzern machte der Zug sogar einen Fahrrichtungswechsel, war der Luzerner Hauptbahnhof ein Kopfbahnhof ohne Durchgangsgleise.
Wenige Minuten später ging die Fahrt in die andere Richtung weiter und sie fuhren am Rotsee vorbei, auf welchem jedes Jahr Rudermeisterschaften stattfinden. Weiter durch Rotkreuz ging es mit Blick auf den Zugersee der Rigiflanke entlang dem Ziel der Reise entgegen. Ein paar Minuten später traf die Reisegesellschaft im Bahnhof Arth-Goldau ein, wo sie den Zug verlassen mussten, um den Rest zu Fuß zu gehen.
Keine zehn Minuten später gelangten sie zum Eingang des „Tierpark Goldau“, wo man in der Freilaufzone Sikahirsche und Mufflon füttern konnte. Leon war schon ganz aufgeregt und auch Clara zeigte Vorfreude auf das Kommende. Die Warteschlange an der Kasse war kurz und schon bald hatten sie das Eintrittsgeld bezahlt und alle waren im Besitz einer Schachtel „Spezialfutter“, welches man den Tieren verfüttern durfte.
„Jetzt sind wir also im Tierpark angekommen“, sagte Schäni und erklärte den beiden Kleinen, dass es hier spezielle Regeln im Umgang mit den Tieren gibt, die man unbedingt einhalten sollte. „Passt gut auf euer „Schachteli“ mit dem Futter auf den im Herbst und Winter sind die Tiere sehr verfressen und stecken schon mal die Nase in eure Jackentasche.“
Ganz gemächlich nahmen sie den Weg vom Eingang ins Gelände des Tierparks unter die Füße. Vorbei an Vogelvolieren, Waschbären, Störchen kamen sie schon bald zum Gittertor, welches die Freilaufzone vom restlichen Gelände trennte.
„Also denkt daran, passt gut auf euer Futter auf … sonst ist es weg und irgendein Tier ist dann sehr glücklich“, lachte Caro. „Heute hat es noch nicht so viele Leute, da sind die ‚Viecher‘ sicher hungrig.“
Gleich nach dem Tor auf der linken Seite war ein großes Gehege für die Wildschweine, die faul herumlagen und sich die Sonne auf ihr Fell scheinen ließen. Die Bache war mit den Frischlingen im größeren Teil des Geheges untergebracht und der Keiler getrennt vom Rest der Rotte im kleineren.
„Diese Trennung ist im Übrigen bewusst“, erklärte Caro und fügte dann noch augenzwinkernd an, „sonst würde der Macho dem Weib schon wieder aufhocken.“
Schon ein paar Meter weiter kamen die ersten Sikahirsche daher und gingen zielstrebig auf die Kinder zu, vermutlich in der Meinung, dass bei ihnen die „Ausbeute“ größer sein wird als bei den Erwachsenen.
Schäni nahm einen der kleinen Futterwürfel aus der Schachtel und hockte sich neben Clara und Leon auf die Fersen. Sie legte das Futterstück auf die flache Hand und streckte es dem nächsten Tier entgegen. Gänzlich ohne Scheu schnappte sich der Hirsch das Futter und schaute auf die leere Hand, als wollte er sagen: „Hey war das alles?“
„Habt ihr gesehen? Einfach immer ein Futterstück auf die Hand legen und dem Tier hinstrecken“, sagte Jeanine zu den Kindern. „Und, wenn die Tiere anfangen zu „müpfen“ (schubsen), einfach ein wenig abdrehen. Wenn wir dann weitergehen, werden uns auch einige der Tiere nachlaufen.“
Clara hatte den Dreh sofort raus und auch bei Leon klappte es sehr schnell. Olivia und Martin waren beeindruckt, wie schnell die Kinder sich an den Umgang mit den Tieren anpassen konnten, ohne dass sie irgendwelche Ängste gezeigt hätten. Hinter ihnen kamen wieder Leute durch das Gittertor und schon liefen einzelne Tiere den Neuankömmlingen entgegen in der Hoffnung, dass es bei denen vielleicht mehr Futter gibt.
Weiter spazierte die Gruppe in den Tierpark hinein und sie konnten diverse Greifvögel wie Bartgeier, Schleiereulen, Uhu und Steinkauz bestaunen. Im Gehege der Bartgeier waren noch die Schneehasen beheimatet, welche sich gerade im Fellwechsel befanden. Der Tierpark wurde auf einem Bergsturzgebiet gebaut, wo vor 200 Jahren fast das ganze Dorf begraben wurde. Dadurch war der Park nicht flach, sondern es ging bergan und am höchsten Punkt waren noch Gehege mit Steinböcken zu bestaunen.
Eindrücklich waren die Hörner der männlichen Steinböcke und die Kinder hatten sogar Gelegenheit zu sehen, wie zwei männliche Jungtiere ihr Revier abstecken wollten, in dem sie ihre Köpfe mit den Hörnern zusammenschlugen.
„Haben die keine Schmerzen?“, fragte Leon, der nicht verstehen konnten, dass die Tiere immer weiterkämpften. „Wenn ich mir den Kopf anstoße, dann macht das aber viel Aua.“
Die Erwachsenen mussten lachen, weil Leon dies in so ernstem Ton gesagt hatte, als bekäme er Schmerzen schon nur beim Zusehen.
„Im Sommer hat es hier oben noch einen Kiosk und dort drüben hat es einen Grillplatz“, erklärte Caro und deutete mit der Hand in die Richtung, wo sich die Feuerstelle befand.
Und Schäni ergänzte noch: „Bis hierher hatten wir nur die Sikahirsche, welche wir füttern konnten, aber dort vorne kommen auch die Mufflons.“
Und an die Kinder gewandt meinte sie: „Das Füttern geht genau gleich wie bei den Hirschen auch … alles klar?“
Was für eine Frage für Clara und Leon …
Klar war alles klar und sie marschierten unerschrocken auf die nächste Gruppe von Tieren zu, denen sie Futter geben konnten. Vom „Diana Kiosk“ ging es wieder bergab durch den Wald, wo man immer noch die Schäden sehen konnte, welche der Sturm „Lothar“ anno 1999 hinterlassen hat. Es war auch nach fast 20 Jahren immer noch beeindruckend, welche Gewalt das Wetter damals entfesselt hatte und wie lange man die Hinterlassenschaft immer noch sehen konnte.
Plötzlich dreht sich Clara um die eigene Achse und schaut suchend in alle Richtungen.
„Gibt es hier auch Älgar…?“, fragt sie plötzlich. Die Erwachsenen schauen sich fragend an, nur Olivia beginnt zu lachen.
„Was lachst du denn so“, fragte Schäni Olivia mit fragendem Gesicht, „und, was sind eigentlich … Älgar? Und was ist das für eine Sprache?“
„Das ist schwedisch und heißt Elch. Clara wollte nur wissen, ob es hier auch Elche gibt.“
„Und wieso kann Clara schwedisch sprechen?“
„Ach, das ist wegen meinem Vater. Er ist gebürtiger Schwede und im Frühling, bevor wir dann mit dem Wohnmobil nach Schweden gefahren sind, war Clara noch bei meinen Eltern in den Ferien. Da hat sie einige Wörter und Sätze gelernt und wir sind immer noch dabei, den Wortschatz auszubauen.“
„Genau. Also gibt es hier jetzt Elche oder nicht?“, mischte sich Clara wieder ein und zu Leon gewandt fragte sie, „oder hast du hier schon Elche gesehen?“
Leon schaute zuerst nach links und dann nach rechts und zuletzt zog er die Schultern hoch und antwortete mit der Abgeklärtheit eines Viereinhalbjährigen seiner Schwester: „Naa, i hob nix g‘sehn!“
Diese Antwort führte natürlich zu großer Erheiterung und Schäni meinte daraufhin lachend: „Nein, hier gibt es keine Elche, nur Rothirsche.“

*****

Durch die Ruhe und Idylle hier im Tierpark konnten sich auch Olivia und Martin richtig entspannen. Da sich Jeanine und Caro sehr gut um die „Kids“ kümmerten, konnten sie die Zweisamkeit ausnützen und schlenderten den anderen „Arm in Arm“ hinterher. Wie frisch Verliebte küssten sie sich immer wieder in der Meinung, dass es niemand gesehen hätte.
„Hast du gesehen, Leon“, deutet Clara mit der Hand auf ihre Eltern, „die sind schon wieder am Schmusen.“
Leon schaute nur mit großen Augen zu den beiden und meinte, „die haben sich halt lieb.“ Dass aber auch Caro und Schäni zwischendurch am „müntschele“ waren, sich immer wieder berührten, umarmten und bei den Händen nahmen, das war den beiden wohl entgangen.
Die Zeit verging, ohne dass Langweile aufkam, gab es doch immer wieder etwas Neues zu sehen. Füchse und auch Rehe, sogar den scheuen Luchs konnte ganz kurz erblickt werden. Sie verließen die Freilaufzone und da es schon bald Mittag war, wurde beschlossen, im Restaurant „Grüne Gans“ etwas zu essen. Im Selbstbedienungsrestaurant fanden alle etwas zu Essen und mit einer Portion „Pommes Frites“ waren auch die Kleinen zufrieden.
Nach dem Essen und einem Kaffee frisch gestärkt, machte sich die Truppe wieder auf den Weg, um jetzt das Bären- und Wolfsgelände zu erkunden. Auch dieser Teil des Parks war in Hanglage gebaut und ebenso großzügig gestaltet wie der Rest des Parks. Schon nach einem kurzen Marsch gelangten sie zum ersten Beobachtungspunkt, wo aber keine Bären zu sehen waren. Also gingen sie bergan und die Kinder konnten den kleinen Lehrpfad begehen, welcher sich parallel zum normalen Weg bergauf schlängelte.
Etwas weiter oben begaben sie sich zum zweiten Aussichtspunkt und dort hatten sie Erfolg. Sie konnten in Ruhe zwei Wölfe beobachten, welche je auf einem größeren Fleischstück herumkauten. Die Tiere ließen sich durch die Zuschauer nicht ablenken und rissen seelenruhig das Fleisch vom Knochen.
„Wow, die sehen ja fast aus wie Hunde“, sagte Leon und deutete auf die beiden Wölfe.
„Unsere Hunde stammen ja auch ursprünglich von den Wölfen ab“, erklärte ihm Martin. Auch Clara schaute sich die Tiere mit großem Interesse an, denn so nahe hatte sie Wölfe noch nie gesehen.
Am oberen Ende des Bären- und Wolfsgeheges befand sich ein großer Rastplatz, wo man bei schönem Wetter gemütlich ein Picknick verzehren konnte. Um aber auch bei schlechterem Wetter etwas essen zu können, gab es für die Besucher extra einen gedeckten Unterstand. Dieser war auf drei Seiten geschlossen und mit einem großen „Aussichtsfenster“ gegen das Wolfsgehege versehen und es gab wegen der Bauform auch noch ein paar verwinkelte, nicht so gut einsehbare Ecken.
Genau eine dieser „Ecken“ war jetzt das Ziel von Olivia, als sie Martin am Arm packte und mit sich zog. Schäni bemerkte aus den Augenwinkeln, dass sich da etwas tat und schaute die beiden mit hochgezogenen Augenbrauen an. Olivia machte mit ihrer Hand nur eine Bewegung im Sinne von ‚geht nur schon mal‘ und sprach die Worte lautlos mit dem Mund. Ein verstehendes Grinsen überzog das Gesicht von Jeanine und sie schüttelte dabei leicht den Kopf. Als wäre nichts geschehen, ging sie zusammen mit ihrer Geliebten und den beiden Kinder schon mal weiter.
Währenddessen nutzte Olivia die Gelegenheit und zog Martin in die hinterste Ecke des Unterstands und begann ihn sofort stürmisch zu küssen. Ihre Lippen berührten sich sehr fordernd und es hatte fast den Anschein, als wäre jeder Kuss der letzte in ihrem Leben. Auch die Hände blieben selbstverständlich nicht tatenlos, sondern suchten beim Partner sensible und auch intime Stellen, welche berührt, gedrückt und gestreichelt wurden …
Zur gleichen Zeit gingen die anderen weiter und der Weg führte sie wieder den Hang hinunter. Nach einem Abstecher zu einem weiteren Aussichtspunkt beim Bärengehege waren sie schon bald bei den Nutztieren angelangt. Da war die ganze Palette vertreten von Hühnern, Hasen, Ziegen, über Schweine, Schafe bis hin zu Kühen und Esel.
„Wo sind eigentlich Mama und Papa geblieben?“, fragte Leon plötzlich und schaute suchend umher. Ihm war nämlich aufgefallen, dass die Eltern nicht mehr hinter ihnen her gingen.
„Die kommen dann bald nach,“ wurde er von Schäni beruhigt. „Sie wollten dort oben noch etwas anschauen und ihr beiden seid ja schon vorausgelaufen.“
Mit dieser Antwort war die Frage fürs Erste beantwortet und die Kinder konnten sich wieder den Tieren widmen. Besonders einige Esel waren recht zutraulich und die Kinder konnten sie ein wenig bei den Nüstern und zwischen den Ohren kraulen. Clara und Leon waren noch mit den Tieren beschäftigt und bemerkten dadurch nicht, wie ihre Eltern wieder zu der Gruppe stießen.
„Da hat es aber jemand dringend gebraucht“, lachte Caro und verdrehte spielerisch die Augen. „Ihr seht ja arg ‚derangiert‘ aus und das da auf deinem Kopf …“, sie deutete dabei auf Olivias Haare, „ist eher ein Vogelnest als eine Frisur.“
Olivia blickte ein wenig betroffen um sich und versuchte „auf die Schnelle“ ein wenig die Haare zu richten, aber schlussendlich musste sie genauso in das Lachen der anderen einstimmen.
Beim Weitergehen mussten alle einmal mehr über die Abwechslung und Vielfalt staunen, welche dieser Tierpark zu bieten hatte. Sie kannten nur die großen Zooanlagen, welche sie in deutschen Städten bisher besucht hatten, aber so etwas wie hier war für sie neuartig und wirklich ein Erlebnis.
Etwas weiter auf der rechten Seite gelangten sie zur großen Beobachtungsplattform, welche ihnen eine gute Sicht auf die große Bärenanlage bot. Und wirklich, sie hatten Glück. Zwei Bären zogen ihre Runden durch das Gelände, schauten hier, schnupperten dort und ließen sich durch die vielen Menschen, welche sie bestaunten, nicht aus der Ruhe bringen.
Sie standen schon eine Weile dort, als ein Tierpfleger mit einem großen Kessel (Eimer) gelaufen kam. Er richtete das Wort an die anwesenden Besucher auf der Plattform und erklärte etwas über das Leben der Bären und die tiergerechte Haltung im Park. Zuletzt erklärte er, dass die Bären jetzt ihr „Dessert“ in Form eines „Bären-Glacé“ bekommen würden. Gleichzeitig nahm er einen gefrorenen Block aus dem Kessel, welcher aus Eis bestand, gespickt mit Gemüse und Früchten. Er hielt dieses Eis den Kindern hin und sie konnten es auch einmal in die Hand nehmen.
„Ui, ganz schön kalt und schwer“, sage Leon etwas erschrocken.
„Ach Leon…“, witzelte Clara, „das besteht aus Eis und deshalb muss es ja kalt sein.“
Dieser Logik konnte sich niemand entziehen und die umstehenden Leute mussten lachen. Der Tierpfleger nahm das Eis wieder in die Hand und warf es mit Schwung ins Bärengehege. Ein zweites Eis warf er hinterher und schon bald kamen die Bären „angezottelt“ und kümmerten sich um ihr „Dessert“.
Nachdem sie noch ein paar Minuten zugesehen hatten, wie sich die Bären um ihr Dessert kümmerten, machten sich die Anderssons zusammen mit Caro und Schäni auf, um auch noch den letzten Teil des Tierparks zu besichtigen. Eingebettet zwischen den umliegenden Häusern war noch ein großer Weiher mit Fischen und Wasservögel zu besichtigen. Der Weg dorthin führte sie am Gehege der Rothirsche vorbei, wo eine ganze Gruppe dieser Tiere am „Äsen“ war.
„Fast wie ein Älgar, aber nicht ganz“, meinte Clara und schaute die Hirsche genau an. „Nicht so groß und das Geweih ist auch ganz anders.“
Etwas abseits des Rudels war gerade ein Hirsch dabei, einer Hirschkuh aufzureiten. Mit einem treuherzigen Blick zu Martin meinte Olivia nur in leicht lüsternem Ton: „Machst du mir heute Abend auch den Hirsch …?“
Nach dem kurzen Abstecher zum großen Weiher gab es dann den obligaten und versprochenen Besuch im Tierparkshop. Ein Souvenir für alle wurde noch gekauft und ein eindrücklicher Tag im Tierpark neigte sich dem Ende zu.
Ein wenig müde und auch zufrieden führte sie der Weg zum Bahnhof, wo sie mit der Eisenbahn ganz entspannt den Rückweg unter die Räder nehmen konnten. Natürlich pünktlich, wie in der Schweiz üblich …

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