Eine nicht alltägliche Familie - Teil 53

Herbstferien: Alpaka Trekking

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Eine nicht alltägliche Familie - Teil 53

Eine nicht alltägliche Familie - Teil 53

Grauhaariger

"Eine nicht alltägliche Familie“ ist die dritte Staffel der Geschichten um die Pilotin Olivia Andersson. Aufbauend auf „Eine nicht alltägliche Beziehung“ und "Eine nicht alltägliche Ehe".

„Gute Fahrt!“, riefen alle dem wegfahrenden Auto hinterher. Olivia und Martin winkten noch den Kindern und ihren Freundinnen zu … und dann waren sie unterwegs … alleine.
Etwas wehmütig schauten die Kinder dorthin, wo soeben der Wagen mit den Eltern hinter der Hausecke verschwunden war. Caro bemerkte dies natürlich sofort und drehte sich zu den beiden um.
„Also chömed …“, meinte sie und ging mit Clara und Leon zurück ins Haus. „Schäni und ich haben ein paar tolle Dinge für euch beide vorbereitet. Zuerst könnt ihr uns helfen, ein Festessen vorzubereiten, welches wir morgen für eure Eltern kochen werden. Du Leon, kannst aber auch mit Christoph auf den Golfplatz und ihm dort ein wenig helfen, wenn du nicht in die Küche möchtest.“
„Am späteren Nachmittag fahren wir dann zu meiner Cousine Melanie auf den Bauernhof und dort werden wir auch die ganze Nacht verbringen“, erklärte Jeanine weiter. „Und morgen geht es noch zu Frau Herrmann und ihren Tieren.“
Zurück im Haus stand recht schnell fest, dass Clara in der Küche helfen möchte und Leon lieber auf den Golfplatz wollte. Ein paar Minuten später wartete Christoph bereits mit einem Traktor (Trecker) vor dem Haus auf den Jungen. Eiligst zog er sich noch etwas Wärmeres an und schon war er wie ein Wirbelwind durch die Türe verschwunden. Technische Maschinen interessierten ihn sehr, erinnerte er sich doch noch an den Bagger, als bei ihnen zu Hause der Pool gebaut wurde. Schon war Leon draußen vor der Türe und wurde von Christoph in die Führerkabine des Traktors gehoben.
„Siehst du das Werkzeug auf dem Anhänger?“, fragte er Leon, und als dieser nickte, sagte er weiter: „Wir fahren ganz nach hinten auf den Golfplatz. Dort müssen wir dann ein paar Sandbunker mit etwas Sand auffüllen und mit den Rechen den Sand schön eben verteilen.“
Leon drehte sich noch einmal um und sah, dass auf dem Anhänger neben dem Werkzeug auch noch einige Säcke mit Sand lagen. Christoph hatte unterdessen den Motor des Traktors gestartet, den ersten Gang eingelegt und schon ging die Fahrt los. Auf dem Feldweg fuhren sie mit ihrem „Bulldog“ in Richtung „Wilihöferfeld“, wo sie zuhinterst bei den Bunkern von „Blau 5“ und „Gelb 5“ arbeiten wollten.
Schon nach kurzer Zeit erreichten sie die erste Gruppe mit Sandbunkern und Christoph hob Leon aus dem Führerhaus auf die Ladepritsche des Anhängers. Dann erklärte er dem Jungen, welche Werkzeuge er benötigte, damit die Golfanlage wieder den Ansprüchen der Golfspieler entsprechen würde. Leon gab zuerst eine Schaufel, dann den Rechen von der Pritsche runter und zuletzt half er Christoph noch bei den schweren Sandsäcken. Natürlich war er mächtig stolz, dass er bei einer so wichtigen Arbeit mithelfen konnte.
Zwischendurch machte Christoph mit dem Handy ein paar Aufnahmen von Leon, wenn er sich mal mit dem Rechen im Sandbunker oder auch mit dem schweren Sandsack auf der Ladepritsche abmühte. Eine Aufnahme, wie der Junge am Steuer des Traktors saß, durfte natürlich auch nicht fehlen. Die beiden arbeiteten nun unterbrochen von einer kurzen Mittagspause bis in den Nachmittag hinein. Sie fuhren zurück zur Werkstatt, wo Christoph den Anhänger rückwärts in den Unterstand stellte und mit dem Traktor brachte er dann Leon zurück zum „Haus Blumenstein“.
Währenddessen hatten die drei Frauen in der Küche begonnen, die ersten Vorbereitungen für das Essen am kommenden Abend zu treffen. Sie wollten Olivia und Martin mit einem speziellen und selbstgekochten „Dîner“ überraschen. Jeanine und Caro hatten sich dazu Folgendes überlegt:

„Soledurner Wysüppli“

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Pouletterrine im Tässli

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3erlei Filet mit Rotweinsauce, Rösticroquetten und Gemüsebouquet

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Solothurner Kuchen

Damit Clara auch für den Küchendienst richtig bekleidet war, hatte Caro eine Kochschürze und eine Kochmütze, die wie ein „Béret“ aussah, hervorgesucht. So ausgerüstet machten sich alle daran, dass benötigte Gemüse zu „putzen“ und auf die richtige Größe zu schneiden. Für Clara gab es ein spezielles Kochmesser, welches besonders für Kinder geeignet war. So konnte sie mit vollem Einsatz verschiedene Gemüsesorten und Kräuter ganz klein schneiden, welche dann für das „Wysüppli“ benötigt wurden. Ganz konzentriert war Clara am Schnipseln und Caro musste von dieser Szene sofort ein Bild mit dem Handy machen, um es Olivia weiterzusenden.
Immer mehr Zutaten wurden vorbereitet, damit am folgenden Tag das Essen nur noch fertiggekocht werden musste. Clara konnte bei verschiedenen Arbeiten helfen und besonders interessant fand die sie die Zubereitung der Rösticroquetten. Von zu Hause kannte sie „Kroketten“ nur aus dem Tiefkühler, aber Schäni und Caro hatten alles so weit vorbereitet, dass sie nur nach frittiert werden mussten …
Zwischendurch sah Caro auf ihr Handy und musste lachen. Sie hatte von Christoph einige Bilder erhalten, die er von Leon gemacht hatte. Diese leitete sie umgehend an Olivia weiter und im Namen von allen wünschte sie ihr und Martin noch viel Spaß in der „Winter-Ruheoase“.
Inzwischen war es bereits Nachmittag und sie hatten in der Küche die Vorbereitungen fast abgeschlossen. Schon bald kam auch Leon von seinem „Arbeitstag“ mit Christoph zurück und für die Kinder gab es eine „Zvieripause“ (kleiner Imbiss) mit „heisser Schoggi und Chueche.“

*****

Kurz vor 16.00 Uhr machten sich Jeanine und Caro zusammen mit den beiden Kindern auf den Weg zu Melanie. Die Cousine von Schäni bewirtschaftete einen Bauernhof und bot nebst anderen Erlebnissen auch Übernachtungen im Heu an. Nach einer Fahrzeit von zwanzig Minuten mit dem Auto trafen sie bei Melanie auf dem Hof ein, welcher auch als „Chrizifluehhof“ bekannt war. Mit einem fröhlichen „Hallo“ und innigen Umarmungen wurden alle von Melanie begrüßt. Natürlich war auch „Bäri“ der Hofhund dabei, ein richtiger Berner Sennenhund, wie man es von so einem Bauernhof kannte.
Wie es sich für einen „Bärner Sennehund“ gehörte, musste der Besuch sofort ausführlich begrüßt und auch intensiv beschnuppert werden. Also lief der Hund freudig und schwanzwedelnd auf die Neuankömmlinge zu und wollte doch nur ein paar Streicheleinheiten einheimsen. Als Clara und Leon den Hund sahen, blieben sie sofort stehen. Leon versteckte sich fast ein wenig hinter Caro und auch Clara zeigte Respekt vor dem großen Hund.
Melanie hatte das Verhalten der Kinder gesehen und rief Bäri sofort zurück.
Auf den Zuruf hin blieb der Hund stehen und drehte den Kopf in Richtung Melanie, bewegte sich aber keinen Meter zurück.
„Bäri! Chunnsch hie häre … Fuß!“
Mit gesenktem Kopf kehrte der Hund langsam zu Melanie zurück und machte noch eine Extrarunde hinter ihren Beinen durch, bevor er sich links von seiner Meisterin setzte und sich an ihr Bein lehnte. Immer noch neugierig schaute er zu den Besuchern und zeigte mit leichtem Schwanzwedeln, dass er doch eigentlich ganz ein braver Hund wäre …
Melanie packte Bäri am Halsband und ging neben ihm in die Knie. Sie streichelte ihm leicht über den Kopf, was er auch sehr zu genießen schien.
„So, jetz bisch e liebe … Warte!“, und winkte mit der Hand die Kinder heran. „Kommt nur her, ich halte den Hund.
Ganz langsam gingen Clara und Leon auf Melanie zu, welche den Hund immer noch am Halsband hielt.
„Am besten streckt ihr dem Hund einfach nur die Hände hin, dann kann er daran schnuppern und den Geruch von euch aufnehmen.“
Wie gesagt, hielten die Kinder noch etwas schüchtern und gehörigem Respekt dem Hund einfach nur die Hände hin. Sofort begann Bäri daran zu schnuppern und leckte Clara sogar die Finger ab. Ganz erschrocken zog sie ihre Hand wieder zurück.
„Nur keine Angst, Clara“, sagte Melanie zu ihr. „Bei Hunden dürft ihr keine Angst zeigen, die merken das sofort. Und wenn ein Hund einmal auf euch zu rennt, dann bleibt einfach stehen und lasst die Hände unten. Macht nur keine hektischen Bewegungen, das verunsichert den Hund und im dümmsten Fall beißt er euch noch.“
Währenddessen hatte Bäri bereits begonnen, mit dem Kopf an der Hand von Leon zu schubsen.
„Hast du gesehen, Leon? Bäri will, dass du ihn auf dem Kopf streichelst.“
Langsam bewegte Leon die Hand über den Kopf des Hundes und Bäri zeigte seine Freude mit heftigem Schwanzwedeln und freudigen Lauten.
„Möchtest du es noch einmal versuchen Clara?“, fragte Melanie und hielt ihr die Hand entgegen. „Schau, wie sich der Hund über die Streicheleinheiten von deinem Bruder freut.“
Clara nahm also ihren Mut zusammen und machte nochmals einen Schritt auf Bäri zu und hielt ihm die Hand hin. Wie schon vorher bei Leon, leckte er an den Fingern und begann auch bei Clara um weitere Streicheleinheiten zu betteln. Melanie begann nun ihren Hund vorne auf dem weißen Fleck der Brust zu streicheln. Alle bemerkten, dass dies dem Hund besonders gut gefiel.
„Das hat er besonders gern“, erklärte Melanie, „wenn man ihn ‚am Gilet tuet chräbele‘. Er beginnt dann mit seinem wohligen Knurren.“
Beide Kinder haben sich noch näher zu Bäri herangewagt und stehen nun zu beiden Seiten neben dem Hund. Sie beginnen miteinander die Brust und den Hals zu streicheln, genauso wie es ihnen Melanie gezeigt hatte.
„Und wenn es dann genug ist, sagt einfach ‚fertig‘ und hört auf mit streicheln“, sagte Melanie lachend, als sie sah, wie der Hund die Kinder in Beschlag nahm. „Am besten dreht euch um und geht davon, sonst hat er das Gefühl, die Leute wären nur wegen ihm hier.“
Um ihren Worten den nötigen Nachdruck zu verleihen, gab sie dem Hund einen leichten Schubs und meinte: „Fertig … hou’s di zu de Hüehner“ – so im Sinne von „geh zu den Hühnern.“
Caro und Schäni hatten beschlossen, mit den beiden kleinen Anderssons noch vor dem Essen einen Rundgang über den Hof zu machen. Hier konnten Clara und Leon Hoftiere sehen und auch anfassen, welche sie von zu Hause zwar kannten, aber noch nie so nahe gesehen hatten. Hier gab es Kühe, ein paar Schafe, freilaufende Hühner, Hasen und einen Stall, wo Pferdebesitzer ihr Pferde einstellen konnten. Egal wo sie hingingen, Bäri folgte ihnen überall hin und wollte natürlich auch immer wieder gestreichelt werden. Irgendwann mussten sich Clara und Leon schließlich von den Tieren „verabschieden“, denn es wurde langsam Zeit für das Nachtessen.
Drinnen in der „Stube“ wurden sie bereits von den anderen Familienmitgliedern erwartet und begrüßt, natürlich mit den obligaten Küssen und Umarmungen und auch Clara und Leon wurden zumindest von den Umarmungen nicht verschont. Obwohl sie nicht weit auseinanderlebten, hatten sie sich doch vieles zu erzählen und schon bald war es Zeit für das „Znacht“ (Nachtessen). Da wurde richtig aufgetischt, also „Züpfe, Chäs, Anke“ (Zopf, Käse, Butter), aber auch „Schpäck, Wurscht und Buurehamme“ (Speck, Wurst und Vorderschinken) gab es.

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