Sie konnten nur auf Freund Zufall vertrauen. Grit hatte Luna gefragt, ob sie auf ihren Streifzügen mal etwas Sonderbares, von Menschen Gemachtes gesehen hätte, das sie sich nicht erklären könne. Luna hatte überlegt, aber es war ihr diesbezüglich nichts eingefallen. Sie liefen und schliefen, liefen und schliefen und erreichten nach drei Tagen das Ende des Waldes. Von Lunas Sippe hatten sie nichts gehört oder gesehen. Dann begann ihr Aufstieg in die Hochebenen des Gebirges. Sie benötigten fast fünf Tage für den Aufstieg und standen dann an einer riesigen Schlucht, die sich am Boden einer hunderte Meter tiefen Steilkante erstreckte. Die Steilkante schien sich nach links und rechts endlos hinzuziehen. Sie machten mehrere Erkundungstouren, konnten aber keinen Weg finden, auf dem sie nach unten kommen würden. Am zweiten Tag, am späten Nachmittag, rief Grit dann, etwas zu sehen. Die Sonne war schon am Untergehen und das Licht wurde weniger. Da glaubte sie, auf der anderen Seite der Schlucht einen blauen Schimmer erkennen zu können, der sich von der oberen Kante in kleinen Windungen bis nach unten zog. Sie zeigte es sofort Luna. Sie liefen in die Richtung und dann entdeckten sie auf ihrer Seite, genau gegenüber des blauen Schimmers, einen in die Wand gehauenen Weg, der so geschickt angelegt war, dass sie ihn niemals gefunden hätten, wenn sie den blauen Schimmer auf der anderen Seite nicht als Anhaltspunkt gehabt hätten. Am anderen Tag, früh am Morgen, machten sie sich auf den Weg. Der Abstieg dauerte einen ganzen Tag und die beiden waren ziemlich geschafft, als sie endlich unten angekommen waren. Sie hatten noch nicht einmal die Zeit, sich etwas zu erholen, da erstarrte Luna und griff nach ihrem Messer. Jetzt konnte auch Grit die Stimmen deutlich hören, und sie kamen von der Baumreihe, die sich durch die Mitte der Schlucht nach beiden Seiten hinzog. Und Grit war sich sicher, eine der Stimmen zu kennen. Sie deutete Luna an, das Messer wegzustecken. Grit konnte in der Dämmerung so gut wie nichts mehr sehen, aber nach einigen Schritten schimmerte Feuerschein durch die Büsche. Jetzt waren auch die Stimmen lauter und auch das Lachen. Grit grinste, drehte sich zu Luna um und flüsterte ihr zu: „Keine Gefahr, ich kenne diese Leute.“
Luna zog eine Augenbraue nach oben und sah Grit ungläubig an. Sie ging jetzt ohne große Vorsicht weiter durch das Gehölz auf die Stimmen zu. Als sie die letzten Äste vor der Lichtung erreicht hatte, blieb sie noch einmal kurz stehen, drehte sich zu Luna um, nickte ihr zu und trat dann an den Rand des Feuerscheins. Wie aus dem Nichts stand plötzlich ein großer Schatten neben ihr, der sie in seine Arme zog. Luna wollte schon wieder zum Messer greifen, aber als Grit plötzlich beide Arme um den großen Mann legte und an seinem Hals hing, sah sie ein, dass es nicht notwendig sein würde. Timo lachte laut und schleuderte Grit ein paar Mal im Kreis herum. Jetzt waren auch alle anderen aufmerksam geworden. Grit sah noch zwei Männer und eine kleine Frau, und neben der sah sie Florence. Sie hatte es geschafft, Grit hatte es tatsächlich geschafft.
Eine Reise
Parallele Dimensionen - Teil 11
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