Eine Reise zu Dritt - Tag 3

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Eine Reise zu Dritt - Tag 3

Eine Reise zu Dritt - Tag 3

Yupag Chinasky

Ima behauptete daraufhin, Rosa habe im Riesenrad nie einen Orgasmus gehabt, sie könne überhaupt nie einen haben, und wenn sie sage, sie habe einen gehabt, habe sie ihn immer nur vorgetäuscht. Das hätten ihr die Chicos erzählt, mit denen sie gevögelt habe. Die Beiden hörten nicht auf, sich zu kabbeln, wurden sogar richtig laut, und als die Señora sie streng ermahnte, endlich den Mund zu halten und sich zu benehmen, verfielen sie in tödliches Schweigen. Sie saßen da wie zwei stumme Fische, stocherten in dem vorzüglichen Essen herum, aßen nur ein paar Happen ohne Appetit. Selbst Ima hielt sich zurück, wenn auch nicht gar so sehr wie Rosa, die immer etwas schleckig war und das ließ dann doch tief blicken, das war schon eine sehr ernsthafte Störung. Die Beiden schauten nur dumpf vor sich hin und er merkte, wie sehr sie sich wünschten, das Essen wäre bald zu Ende.

Ihr Verhalten störten aber weder ihn noch die Señora. Sie unterhielten sich weiterhin sehr angeregt und er erfuhr nun auch, dass sie mit einem hohen lokalen Parteifunktionär verheiratet war und zwei Töchter hatte, die aber auch schon verheiratet und aus dem Haus waren. Dann wurde die Señora sehr vertraulich, ihr Mann habe eine junge Geliebte, mit der er zusammenlebe und bei der auch praktisch die ganze Zeit wohne. Wegen seines Amtes und seines Ansehens und der Karriere, die er noch machen wolle, dürfe er sich aber nicht scheiden lassen. Im Gegenteil, er müsse für die Öffentlichkeit den guten Ehemann abgeben, weil eine intakte Familie eine wichtige Voraussetzung für sein Amt und seine Zukunft sei. Aus diesem Grund sei sie immer noch verheiratet und müsse ihren Mann begleiten, zum Beispiel zu Empfängen und anderen wichtigen, repräsentativen Ereignissen. Einmal im Jahr müsse sie sogar eine große Party in ihrem Haus geben, um die heile Welt zu demonstrieren.

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