Eine Reise zu Dritt - Tag 5

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Eine Reise zu Dritt - Tag 5

Eine Reise zu Dritt - Tag 5

Yupag Chinasky

Er lauscht ihrer Stimme und den wenigen Geräuschen, die von draußen kommen. Er riecht ihre Haare, ihre Haut, den Schweiß in den Achselhöhlen, ja auch den, diese Mischung von Duftstoffen, die einen Mann anziehen und verrückt machen können. Und auch sie genießt es, ganz ruhig in seinen Armen zu liegen, ihn zu berühren, ihn sanft und zärtlich zu streicheln, seinen ganzen Körper abzutasten. Auch sie riecht ihn, seine herbe Männlichkeit und auch sie lauscht seiner Stimme, ohne zu verstehen, was er in seiner Muttersprache sagt. So taucht sie in einen Halbschlaf ein, der sie in eine andere Welt versetzt, in eine schöne, heile, heiter Welt, in der alles bestens geregelt ist. Sie schläft Armen ein, ohne dass sie versucht hätten, der Liebe noch konkreter Formen zu geben und er ist auch froh, nicht weil im etwas entgangen wäre, nein, weil er etwas dazu gewonnen hat, eine besondere Erfahrung, ein wunderschöne Erinnerung an eine zauberhafte Nacht, die auf ihre Art sein würde.

Er selbst kann schlecht schlafen, einerseits ist sehr zufrieden, ruhig neben dieser Frau liegen zu dürfen und ihre Nähe mit allen Sinnen auszukosten, andererseits ist es die letzte Nacht und damit steht auch bald der Abschied bevor und der beunruhigt ihn. Er liegt und fühlt und riecht und lauscht und weiß nicht genau, soll er glücklich oder traurig sein, aber er genießt jeder Minute einer endlos scheinenden Nacht. Zwischendurch steht er auf, ein natürlicher Drang führt ihn ins Bad, vorbei an Rosa und dem jungen Mann, die auch einen Moment der Ruhe eingelegt haben und eng umschlungen auf dem schmalen Sofa liegen und schlafen. Als er zu Ima zurückkommt, nimmt er seine Kamera, sie ist wirklich ein perfektes Instrument, und fotografiert die schlafende Schöne, diese nackte, schlanke, dunkle Ima auf dem weißen Laken im sparsamen Licht einer fernen Straßenlaterne.

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