Eine seltsame Nacht

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Eine seltsame Nacht

Eine seltsame Nacht

Yupag Chinasky

Er hätte sie sicher nicht angesprochen. Die dunkelhäutige Frau saß auf der Parkbank im Schatten unter den ausladenden Bäumen. Sie tat nichts anderes, als ihre Umgebung zu beobachten.
Er hätte sie ignoriert. Nun ja, vielleicht hätte er mehr als einen Blick auf sie geworfen, mehr sicher nicht. Denn sie war nicht sein Typ, obwohl er dunkle Haut mochte und sich auch gern mit Frauen einließ. Aber diese Frau war zu klein, zu dick und vermutlich auch zu alt für ihn.
Im Urlaub bevorzugte er junge Frauen – schlanke mit Kurven, hübsche Frauen. Und hübsch war die Frau auf der Parkbank auch nicht gerade.
Da er vom vielen Herumlaufen müde war und sich ausruhen wollte, setzte er sich ebenfalls auf eine Bank, allerdings in einiger Entfernung. Sie saßen sich also gewissermaßen gegenüber. Er konnte sie nicht weiter ignorieren, denn es war unvermeidlich, in Blickkontakt zu kommen.
Eindeutig suchte sie diesen Blickkontakt mehr als er. Kaum hatte er sich hingesetzt, musterte sie ihn bereits mit unverhohlenem Interesse. Und es kam, wie es kommen musste. Die Frau wollte nicht nur gesehen, sondern auch angesprochen werden. Da er es nicht tat und ihr nicht einmal zunickte, tat sie es mit dem alten Trick: Sie fragte nach der Uhrzeit.
Bald saß sie schon an seiner Seite. Sie redeten, und das gar nicht so schlecht. Sie war nicht dumm, sogar amüsant und vor allem zielstrebig. Reden allein reichte ihr nicht. Sie wollte etwas trinken. Ob er nicht auch einen Kaffee wolle?
Bald saßen sie in einem Café. Sie redeten weiter, tranken Kaffee und aßen Eis. Sie aß sogar viel Eis. Es schmeckte ihr offensichtlich sehr gut und stillte wohl auch ihren Hunger, denn sie bestellte nacheinander drei Portionen.
Mittlerweile war die Sonne untergegangen. Er machte ihr klar, dass es nun Zeit sei, in sein Hotel zurückzukehren, um sich frisch zu machen.

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